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© Manfred Bittner 2011
Italien
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Im Jahre 2008 hatte ich meiner Mutter zu ihrem 80. Geburtstag eine Reise nach Verona geschenkt, eine
Opernaufführung in der Arena di Verona inklusive. Da wir uns nicht zwischen Aida und Rigoletto
entscheiden konnten, buchte ich kurzerhand beide Vorstellungen.
Die Stadt Verona liegt in Norditalien und hat ungefähr 264.000 Einwohner. Sie wurde in
vorchristlicher Zeit gegründet, wurde die Stadt um 550 v.Chr. vom gallischen Stamm der
Cenomanen erobert und war ab 89 v.Chr. römische Kolonie. Historische Fassaden aus
verschiedenen Epochen umgeben die Piazza delle Erbe, den Marktplatz und Versamm-
lungsort der mittelalterlichen Stadt.
Auf dem Marktplatz gibt es alles, was das Touristenherz begehrt, unter anderem sehr schöne Karnevals-
masken in vielen verschiedenen Größen.
In der Via Leoni auf dem Weg zum Marktplatz kann man Ausgrabungen aus der Römerzeit bewundern.
Gleich daneben das ehemalige Stadttor Porta dei Leoni.
Ein weiteres Tor, das dreigeschossige, monumentale Porta dei Borsari öffnete sich einst
für die Römerstraße Via Postumia. Es wurde 265 n.Chr. unter Kaiser Gallienus erbaut
und ist nach dem Amphitheater das am besten erhaltene römische Monument.
Den Marktplatz dominiert der mittelalterliche Uhrturm Torre dei Lamberti. Mit seiner Konstruktion wurde
bereits 1172 begonnen, nach Blitzschlag, Brand und Einsturz der Turmspitze am Anfang des 15.Jh. wurde
der Turm bis 1464 renoviert. Mit einem Aufzug oder über 368 Stufen kommt man zu einer Aussichtsplatt-
form, von wo man einen schönen Blick über die Stadt hat.
In dieser alten Kirche mit der barocken Fassade ist heute eine Pizzeria eingerichtet. Der Besucher findet
hier immer wieder historische Sakralbauten, die teilweise als Wohn- oder Geschäftshäuser genutzt
werden.
Von der Piazza delle Erbe sind es nur wenige Schritte zum Haus der Julia mit dem wohl berühmtesten
Balkon der Literaturgeschichte. Für die Figuren in dem Schauspiel Romeo und Julia von William
Shakespeare gab es keine historischen Vorbilder und auch keinen Balkon der Julia. Angeblich sei dieser
in Wirklichkeit ein alter Sarkophag und wurde von den Veronesern als touristische Attraktion hier ein-
gebaut.
Die im Jahre 1355 unter Cangrande II. erbaute Burg der Herren della Scala an der Etsch und die zinnen-
bekrönte Festungsbrücke sind zwei schöne architektonische Meisterwerke. Zweck des Castelvecchio
und der Ponte Scaligero war es, den Fluchtweg der Scaliger zum anderen Ufer der Etsch zu sichern.
Die dreibögige Ponte Scaligero war zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung 1356 mit einer Hauptspannweite
von knapp 49m die größte Segmentbogenbrücke der Welt. Die Burg beherbergt heute ein Museum mit
Werken der Veroneser Malerei und Skulpturen aus dem Mittelalter. Im Hof des Castelveccio sieht man
viele schöne Fassaden und Fenster.
Der Dom Santa Maria Matricolare wurde im Jahre 1187 geweiht und vereint sowohl
romanische als auch gotische Bestandteile. Bekannt ist vor allem das Portal von Nicolò
mit seinen zeitgenössischen romanischen Steinmetzarbeiten. Im Innenraum sind es die
Fresken von 1500, das Altargemälde von Tizian und die 1122 bis 1135 erbaute romani-
sche Taufkapelle.
Die Ponte Nuovo del Populo sieht gar nicht so neu aus, wie ihr Name sagt. Der Turm mit dem Gerüst im
Hintergrund gehört zum Dom.
Geht man von der Ponte Scaligeri in die Stadt kommt man als erstes am Arco dei Gavi vorbei. Der römi-
sche Triumphbogen stammt aus dem 1.Jh. n.Chr. Im Jahr 1805 rissen die Franzosen das Monument ab.
Die Trümmer wurden erst 1932 wiederentdeckt und nach einer Aufrisszeichnung neu zusammen-gefügt.
Im Torbogen selbst kann man noch über eine original Römerstraße gehen. Die vielen Graffiti und das
Gekritzel sind allerdings neueren Ursprungs...
Am Fuße dieses mit vielen Zypressen bewachsenen Hügels S. Pietro mit dem Palazzo kann man gegen
Eintritt ein recht verfallenes römisches Theater besichtigen.
Die Arena von Verona ist ein recht gut erhaltenes römisches Amphitheater und nach dem Kolosseum in
Rom und der Arena von Capua das drittgrößte erhaltene Theater.
Die Arena ist ca. 138m lang, ca. 110m breit und hat eine Höhe von genau 24,1m.
Die 44 Ränge des Zuschauerraums bieten heute 22.000 Zuschauern Platz.
Das Theater wurde etwa im Jahr 30 n.Chr. errichtet und lag damals außerhalb der römischen Stadtmauer.
In dieser Zeit fasste die Arena mehr als 30.000 Zuschauer und wurde für Gladiatorenkämpfe und Wett-
kämpfe genutzt.
Nach einem Erdbeben im Jahr 1117, bei dem der größte Teil des Außenrings zerstört wurde, diente die
Arena als Steinbruch für die wachsende mittelalterliche Stadt.
Heute sind nur noch vier Bögen des ehemals die Arena vollständig umfassenden Außenrings erhalten.
Sie werden von den Veronesern „l'ala“ – der Flügel – genannt. Dieses Foto entstand vor dem Beginn der
Aufführung von Verdis Aida - dem bekannten Paradestück für die Arena di Verona. Die Aufführung der
Oper Rigoletto von Giuseppe Verdi hat uns jedoch besser gefallen.
Trotz der monumentalen Größe des Bauwerks scheint es unter den Stufen und Rängen doch nicht aus-
reichend Platz für die aufwändigen Kulissen und Requisiten zu geben. So werden diese kurzerhand an
der Außenseite und auf der Piazza Bra "zwischengelagert".