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© Manfred Bittner 2012
Türkei
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Im Februar 2006 war ich im Zuge einer Produkteinführung das erste Mal in der Türkei. Das Meeting fand in
Istanbul statt und war von unserem Verkauf International in Zusammenarbeit mit unserer lokalen Vertretung
organisiert worden.
Istanbul erstreckt sich sowohl auf der europäischen als auch auf der asiatischen Seite
des Bosporus und ist damit die einzige Metropole der Welt, die auf zwei Kontinenten
liegt. Der Hauptteil der Stadt liegt auf der südöstlichsten Spitze Europas und wird von den
asiatischen Vororten durch den Bosporus getrennt. Ein Meeresarm, das "Goldene Horn"
teilt den europäischen Teil in zwei Hälften: Das alte Stambul und die nördlich gelegenen
Stadtteile Galata, Beyoglu und Skutari.
Obwohl auf dem selben Breitengrad wie Neapel, ist das Klima hier wegen der nördlichen
Winde kühler. So war das Wetter um diese Jahreszeit auch nicht viel wärmer als bei uns
auf der schwäbischen Alb.
Die Geschichte der Stadt reicht bis ins erste Jahrtausend vor Chr. zurück, als dort eine Siedlung mit dem
Namen Semistra gegründet worden sein soll. Der lokale Mythos nennt Byzas aus Megara als den Gründer
der Kolonie Byzantion und das Jahr 667 v. Chr. als Gründungsdatum.
Zu dieser Zeit war Byzantion bereits ein wichtiges Handelszentrum. Der römische Kaiser
Konstantin I. erklärte die Stadt 330 n.Chr. zur Hauptstadt des gesamten römischen
Reiches und nannte sie Konstantinopel.
Beim vierten Kreuzzug 1204 wurde die Stadt auf schreckliche Weise zerstört, ge-
plündert und verwüstet, als die Kreuzfahrer anstatt das Heilige Land aus den Händen der
Araber zu retten, die Stadt überfielen. 1453 wurde Istanbul von den Türken erobert und
war bis 1923 die Hauptstadt des osmanischen Reiches.
Am 28. März 1930 wurde Konstantinopel auf Veranlassung von Kemal Atatürk in Istanbul umbenannt.
Heute leben in der expandierenden Stadt rund 10 Mio Einwohner, davon 6,5 Mio im europäischen Teil. Zum
Stadtbild gehören die typischen, in osmanischer Tradition gebauten Holzhäuser.
Das Stadtbild von Istanbul wird durch Sakralbauten unterschiedlicher Religionen geprägt. In einigen
Stadtteilen, wie zum Beispiel in Kuzguncuk, sind die religiösen Einrichtungen verschiedener Religionen dicht
benachbart. Der weitaus größte Teil der Bevölkerung bekennt sich zum Islam. Zu den religiösen
Minderheiten zählen auch die griechisch-orthodoxen und armenischen Christen.
Die Sultan-Ahmet-Moschee wurde 1609 in Auftrag gegeben und bis 1616 erbaut. Sie ist heute, nach der
Säkularisierung der Hagia Sophia, die Hauptmoschee Istanbuls. In Europa kennt man sie als Blaue
Moschee wegen ihres Reichtums an blau-weißen Fliesen, die die Kuppel und den oberen Teil der Mauern
zieren, aber jünger als der Bau selbst sind. Die Moschee hat sechs Minarette. Nur die Hauptmoschee in
Mekka hat eines mehr, das aber erst angefügt wurde, als die Sultan-Ahmet-Moschee sechs erhielt. Der
Innenhof ist relativ schmucklos und einfach, in der Mitte befindet sich ein Brunnen zur rituellen Reinigung
vor dem Gebet.
Nach einigen erklärenden Worten unserer Reiseführerin durften wir die Moschee auch von innen
besichtigen. Natürlich ohne Schuhe, die trugen wir in bereitgestellten Plastiktragetaschen die ganze Zeit mit
uns.
Der Gebetsraum der blauen Moschee ist mit 53m Länge und 51m Breite fast quadra-
tisch. Die Hauptkuppel hat einen Durchmesser von 23,5m und ist 43m hoch. Beson-
ders faszinierend waren für mich die sehr detailreich bemalten Säulen, Bögen und
Rundungen. 260 Fenster erhellen den Innenraum. Die bunten Glasscheiben sind nur
moderne Nachbildungen der ursprünglichen Fenster aus dem 17.Jh.
Aufgrund der Höhe des Raumes konnte ich die Kamera natürlich nicht mit der Hand halten, um diese
Aufnahme zu machen. Der eingebaute Blitz ist auch zu schwach für so weite Entfernungen. Damit das Bild
auch mit der erforderlichen längeren Belichtungszeit nicht verwackelt, habe ich die Kamera einfach auf den
Boden gelegt und den Selbstauslöser verwendet. So erhielt ich gestochen scharfe Fotos von diesen
wunderbaren Verzierungen.
In der Mitte des Raumes befand sich zur Zeit meines Besuches ein Gerüst. Die großen Metallrahmen,
welche die vielen Lampen zur Beleuchtung trugen, waren in recht traurigem Zustand. Da ich natürlich die
herrliche Moschee von Casablanca als Maßstab ansetzte, war ich vom allgemeinen Zustand dieses
Bauwerks schon etwas enttäuscht.
Neben der Moschee befindet sich das Hippodrom. Der römische Kaiser Septimus Severus ließ diesen
langgestreckten Platz im Jahre 203 errichten, der später von Kaiser Konstantin dem Grossen (Konstantin I.)
durch Umbauten noch beträchtlich vergrößert wurde. Das ca. 400 x 120 m grosse Hippodrom bot rund
40.000 Zuschauern Platz und war der Mittelpunkt des öffentlichen Lebens. Hier fanden nicht nur
Wagenrennen, Zirkusspiele oder Gladiatorenkämpfe statt, sondern man feierte hier auch die Feste zu Ehren
des Kaisers.
Der ägyptische Obelisk wurde im 15.Jh.v. Chr. vom Pharao Thutmosis III. vor dem
Tempel in Karnak aufgestellt. Im Jahre 390 ließ Kaiser Thedosius diesen Monolithen
nach Istanbul bringen. Er ruht auf einem sechs Meter hohen Sockel der an allen Seiten
mit Reliefs geschmückt ist.
Der Brunnen Kaiser Wilhelms II. steht an der ehemaligen Einfahrt zum Hippodrom. Der achteckige
Marmorbau mit polierten Granitsäulen und der mit goldenen Mosaiken verzierten Kuppel war ein
Geschenk von Kaiser Wilhelm II. als Erinnerung an seinen Besuch in Istanbul (1895) und wurde 1898
fertiggestellt. Die Mosaiken in der Kuppel zeigen sowohl das kaiserliche Wappen, als auch die Zeichen des
Sultans Abdülhamit II.
Wohl bekanntestes Wahrzeichen der Stadt ist die berühmte ehemalige Kirche und Moschee der Hagia
Sophia. Diese liegt der blauen Moschee gegenüber und bietet schon von außen einen beeindruckenden
Anblick. Hagia Sophia bedeutet "göttliche Weisheit". Einer Überlieferung zufolge soll Konstantin im Jahre
325 die erste Basilika hier errichtet haben.
Nach einem Brand im Jahre 404 zerstört, wurde 415 eine neue, fünfschiffige Kirche von Theodosius II.
errichtet. Bei dem Nika-Aufstand 532 wurde auch diese zerstört. Justinian I. legte vierzig Tage später den
Grundstein zu einer neuen Kirche. In nur fünf Jahren entstand die riesige Kuppelbasilika, die 537 von
Justinian I. eingeweiht wurde.
20 Jahre später stürzte die Kuppel ein. Beim Wiederaufbau wurde die Kuppel etwas kleiner, dafür höher,
wodurch sie mehr nach unten als zur Seite drückte. Am 24. Dezember 563 weihte Justinian I. die Kirche
erneut ein. In der Folgezeit musste die Kirche mehrfach restauriert und verstärkt werden.
Unmittelbar nach der Eroberung der Stadt Konstantinopel durch die Türken wurden die Minarette
dazugestellt. 1934 erklärte Atatürk die Hagia Sophia zum Museum, weswegen man sie heute auch mit
Schuhen betreten darf.
Diese großartige byzantinische Basilika war bis zur Eroberung Istanbuls durch die Tür-
ken auch das geistliche Zentrum des byzantinischen Reiches. Nach 1453 wurde sie
für knapp 500 Jahre eine Moschee.
Die Kirche war mit vielen Mosaikbildern verziert, welche jedoch alle in der Zeit von 729
bis 843 durch die Ikonoklasten (=Bilderstürmer) zerstört wurden. Das älteste erhaltene
Mosaik über dem Kaisertor stammt aus dem 9.Jh. Da der Islam keine bildlichen Dar-
stellungen von Heiligen duldet, wurden die Mosaike übermauert und dadurch konserviert,
so sind diese heute noch in ziemlich gutem Zustand.
Der Raum unter der Kuppel ist die Mitte der Kirche, ihm ist alles untergeordnet. Links der Apsis steht auf
antiken Säulen die achteckige Sultansloge. Der Mihrab (die Gebetsnische) ist in der Richtung nach Mekka
angebracht.
Im Vordergrund des Bildes erkennt man den Aufgang zum Mimber (Freitagskanzel). Auf den grossen, acht
Meter durchmessenden Rundschildern stehen in arabischer Schrift die Namen Allahs, Mohammeds, der
vier Kalifen und der beiden Enkelsöhne Mohammeds.
Die Großartigkeit des Baues beeindruckt beim Betreten des riesigen Innenraumes. Beim Errichten wurde
kein Holzgerüst verwendet, sondern Erde aufgeschüttet und nach Vollendung wieder aus der Kirche
geschafft.
Nach der Besichtigung der Hagia Sophia wurden wir noch eingeladen, den "Basar 54" zu besichtigen, wo
uns ein Verkäufer mit grandiosem Aufwand und allen Künsten der Rhetorik seine Teppiche verkaufen
wollte. Wir bekamen eine Tasse Apfeltee und konnten uns an den vielen Farben und Mustern kaum satt
sehen. Man würde frei Haus liefern und es wäre absolut kein Problem, wenn der Teppich nicht den
Wünschen entspräche... Soweit ich mich erinnern kann, hat von unserer Gruppe kein einziger was gekauft.
Etwas weiter geht es zum Grand Basar von Istanbul. Ein schönes Relief ziert den Eingang in eine
faszinierende Welt voller Schätze (von denen sich bei näherer Betrachtung das meiste als billiger Touristen-
Ramsch entpuppt).
Im breiten Hauptkorridor des überdachten Marktes befinden sich die meisten der Schmuckhändler.
Kiloweise goldene Armbänder, Halsketten, Ringe und allerlei andere Schmuckstücke türmen sich in den
Auslagen.
Besonders interessant fand ich auch die Anlage des Marktes selbst, mit seinen Gängen,
Plätzen und Bögen, allesamt herrlich verziert und bemalt. Vom Hauptkorridor abzwei-
gend gelangt man in Nebenkorridore, mit weiteren Verzweigungen und weiteren
Plätzen. Im Herzen des Marktes kommt man zum alten Basar mit Verkaufsbuden aus
Holz, der auch seinen besonderen Reiz hat. Unweigerlich verläuft man sich in dem Ge-
wirr von Gängen, sodass man nie an der Stelle hinauskommt, wo man den Basar betre-
ten hat.
Die Waren der vielen Geschäfte stehen bis weit in den Gang hinein, dass man schon
den Übergang von einem Geschäft zum nächsten nicht mehr erkennen kann. Kaum
betrachtet man ein Stück länger als fünf Sekunden, kommt auch schon ein tüchtiger
Verkäufer. Die sprechen hier alle Sprachen. Ich habe versucht, tschechisch zu reden,
man hat mir in tschechisch geantwortet, englisch - kein Problem, ebenso französisch
oder deutsch. Denen entkommt man nicht so leicht.
Als erstes geht es darum, woher der Kunde kommt, das legt die Sprache und die
Ansprüche fest - und wahrscheinlich auch den Preis. Diese sind grundsätzlich nicht
angeschrieben und wer danach fragt, hat schon verloren.
Etwas außerhalb des Grand Basars habe ich dann auch einen brauchbaren Souvenir-Teelöffel für meine
Sammlung gefunden. Der Verkäufer begann gleich mal mit einem Preis von 100 Lira (ca. 75 Euro!!),
korrigierte aber im gleichen Atemzug auf 25 Lira. Schließlich einigten wir uns auf 15 Lira.. Warum nur habe
ich heute das Gefühl zuviel gezahlt zu haben ?
Manchmal ist es gar nicht einfach solche aufdringlichen Kerle los zu werden. Ein Schuhputzer ließ mich
nicht gehen, bevor er meine Schuhe mit "Spezialcreme" gewichst hatte, und ich 5 Euro bezahlt hatte. "Zehn
Kinder hungrig" war sein Spruch - an dem kommst du nicht vorbei.
Leider bot auch diese Vielfalt an hunderten kleinen Geschäften keine Auswahl und Möglichkeit zum
Vergleich. Alle Souvenirhändler hatten die gleichen billigen Messing-Öllampen und Wasserpfeifen, überall
die gleichen Schachspiele und kein einziger hatte ein Backgammon-Spiel ohne die blöde Klappbox. Ich
hätte tatsächlich eines gekauft, wenn das Spielbrett eben gewesen wäre und man die Spielsteine nicht über
den Rahmen der Box heben müßte.
So blieb es dann bei einer Schachtel Turkish Delights und einer Packung türkischen Kaffees, welcher
ohnehin der gleiche war, den ich schon zu Hause hatte - wie ich nachher feststellte.
Unsere Vertretung hatte auch eine Bootsfahrt durch den Bosporus organisiert. Draußen war es recht kalt,
so blieben wir nicht lange auf Deck, sondern gingen hinein, sobald es finster wurde. Vom Wasser aus hatte
man einen schönen Blick auf die Gebäude an den Ufern, wie auf die kleine Dolmabahce Moschee und den
kleinen Uhrturm daneben.
Der Dolmabahçe-Palast am asiatischen Ufer wurde unter Sultan Abdülmecit I. errichtet
und im Jahre 1856 vollendet. Dem Sultan erschien der Topkapi-Palast zu altmodisch. So
diente das Gebäude bis 1876 als offizielle Residenz der Sultane, 1877 wurde hier das
erste türkische Parlament eröffnet. Er ist heute noch Schauplatz repräsentativer
Staatsempfänge.
Der Sonnenuntergang am Bosporus zeigte die Skyline von Istanbul und eine der drei Brücken zwischen
Europa und Asien.