mein Reisebilderbuch Manfred Bittner
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China - Hangzhou
Im September 2005 reiste ich wieder für 14 Tage nach China. Diesmal fand das Training in der Industriestadt Changzhou statt, welche etwa 140 km nordwestlich von Shanghai, auf halbem Weg nach Nanjing liegt. Dort befinden sich auch zwei Produktionsstätten unserer Firma. Die Schulung dauerte knappe zwei Wochen und für das Wochenende hatten meine Kollegen für mich über ein Reisebüro eine Ausflugsfahrt nach Hangzhou organisiert. Das liegt ungefähr 190km südwestlich von Shanghai. So wurde ich am Samstag morgens von einem Reiseführer direkt am Ho- telzimmer abgeholt. Unten wartete eine schwarze Limousine mit einem Fahrer. Ich durfte auf der Rückbank Platz nehmen und fühlte mich fast wie ein Promi, wenn ich auf die weißen Handschuhe des Fahrers blickte. Der Straßenverkehr in China ist ein für uns unvorstellbares Chaos. Obwohl man generell rechts fährt, findet man die langsamsten Verkehrsteilnehmer meist auf der linken oder mittleren Spur. So wird dann einfach rechts überholt und dabei andere Fahrzeuge kräftig geschnitten und auch abgedrängt. Das wichtigste Utensil an jedem Fahrzeug ist eine möglichst laute Hupe. Radfahrer verwenden oft einen Kochtopf, der mit einem Klöppel geschlagen wird als Klingel-Ersatz. Spurmarkierungen sind ohnehin nutzlos, man überfährt doppelte Sperrlinien, Linkskurven werden grundsätzlich so geschnitten, dass das linke Hinterrad beinahe über den Randstein fährt.   Auf unserer Fahrt nach Hangzhou hätte der Fahrer nach unseren Maßstäben so an die 50 Anzeigen wegen Nötigung und vielleicht noch einmal so viele für andere Vergehen (Sperrlinie überfahren, rote Ampel missachtet, usw.) bekommen. Als Fußgänger kann man die Straße auch auf einem Zebrastreifen nur mit äußerster Vorsicht und unter Lebensgefahr überqueren. Die Autos machen da extra einen Bogen in den Gegenverkehr, oder drängen den Nebenmann in den Gegenverkehr, um wegen der Fußgänger bloß nicht anhalten zu müssen. Erst wenn ein Fußgänger schon so gut wie unter dem Wagen liegt, wird (vielleicht) angehalten.      Nach ca. zweieinhalb Stunden Fahrt erreichten wir dann die Stadt Hangzhou. Auch hier prägen viele moder- ne Hochhäuser das Stadtbild und auf unzähligen, riesigen Baustellen werden immer noch mehr Wohnung- en gebaut. Hangzhou liegt an der Mündung des Flusses Qiantang. In Hangzhou  beginnt auch der Kaiserkanal, eine wichtige Verbindung in den Norden Chinas. Im gesamten Verwaltungsgebiet leben hier auf einer Fläche von 16.600 km² ungefähr 8,8 Mio Einwohner. Hangzhou ist eine der Wiegen der chinesischen Zivilisation, die „Liangzu-Kultur“ lässt sich bis vor 4700  Jahren nachweisen. Die schriftlich dokumentierte Geschichte der Stadt reicht bis in das Jahr 221 v.Chr.  zurück. Hangzhou war auch die Hauptstadt der südlichen Song-Dynastie (1132-1276). Der Chinareisende Marco Polo soll die Stadt als „schönste und großartig- ste Stadt der Welt“ bezeichnet haben. Zu seiner Zeit, im 13. Jahrhundert, hatte die Stadt den größten Hafen der Welt. Heute ist es keine Hafenstadt mehr, denn im Laufe der Jahrhunderte ver- landete die Bucht. Hauptattraktion in Hangzhou ist der Westsee (Xihu) mit über sechzig einzelnen Sehenswürdigkeiten.      Nachdem wir unser Hotel für die Nacht von Samstag auf Sonntag bestätigt hatten, machten wir uns auf den Weg zur West Lake, dem historischen Teil der Stadt. Dies ist eine Grünanlage mit einem großen See westlich der Stadt. Im See gibt es auch drei kleine Inseln  zu denen man mit Booten fahren kann. Zunächst besichtigten wir aber den Tempel des Generals Yue. Der patriotische General Yue Fei lebte von 1103-1142 in der Song-Dynastie und kämpfte erfolgreich gegen die Dschurdschen, bis eine Intrige des Kanzlers und Erzschurken Qin Hui ihn das Leben kostete. 20 Jahre nach seinem Tod wurde er rehabilitiert und wird seitdem von den Chinesen als Vorbild für Hin- gabe und Treue geehrt. In der Tempelhalle sieht man General Yue sitzend und an den Wänden sind Maler- eien mit Szenen aus seinem Leben. Ein schöner Torbogen schmückt den Eingang zu General Yue Feis Grab- stätte. Links und rechts von dem Tor sieht man jeweils zwei knieende Figuren  hinter einem Eisengitter. Es handelt sich um den ehemaligen Kanzler Qin  und drei seiner Komplizen, die diese Verschwörung angezettelt hatten. Die Figuren werden – trotz Verbotes – noch heute bespuckt.      Mit dem Boot fuhren wir dann zu der im Zentrum des 5,65km² grossen Sees gelegenen kleinen Insel, wo der Mid-Lake-Pavillon leider eben renoviert wurde. Somit war dieser als Fotomotiv nicht attraktiv genug. Ein kleiner Pavillon am Seeufer war da besser geeignet. Sonst ist auf dem winzigen Inselchen nicht viel mehr zu sehen. Interessant sind auch die vielen verschiedenen Boote, welche den See befahren. Es gibt einfache, offene Ruderboote, ähnlich den Gondeln in Venedig, solche mit einem aufgebauten kleinen Häuschen, das vor Regen  und Sonne schützt und Motorschiffe aller Größen mit mehr oder weniger aufwändigen Aufbauten. In der Südhälfte des Sees befindet sich eine Insel, auf der drei Teiche angelegt sind. "Three Pools mirror- ing in the Moon" ist eine sehr beliebte Ausflugsinsel. Inmitten zweier Teiche steht jeweils ein Teehaus, die eben auch renoviert wurden. Eines ist über eine neun- fach gewinkelte Brücke erreichbar - da wurde auch eben dran gebaut. Am Südufer der Insel sieht man drei kleine Laternen im Wasser stehen. Diese wurden in der Song-Zeit errichtet, um die Boote vor zu flachem Wasser zu warnen. Die Informationstafeln für Besucher sind bereits in chinesischer und englischer Sprache gehalten und sehr ansprechend gestaltet. Das Wetter war sehr warm an diesen Tagen, es wird wohl über 34 Grad gehabt haben, jedenfalls kam ich ganz gewaltig ins Schwitzen. Ich wurde aber von meinem Fremdenführer immer mit ausreichend Trink- wasser versorgt, das es dort überall zu kaufen gibt. Auf dem Bild unten mit dem kleinen Boot sieht man im Hintergrund ein Stück von der großen "Thunder Peak  Pagoda", welche ebenfalls auf einem kleinen Hügel gebaut ist. Diese besonders schön verzierten Schiffe auf dem Foto rechts heißen "Dragon Ships" und können zu besonderen Anlässen gemietet werden. Ich konnte nicht herausfinden, ob diese Drachenschiffe auch tatsächlich fahren können, oder ob die hier nur als Restaurant oder Teehaus während des ganzen Jahres liegen.      Der "Su-Causeway" führt über sechs Brücken und wurde bereits 1089 unter der Regierung von YuanYou  angelegt, als Su Shi Gouverneur in Hangzhou war - daher der Name. Er ist mit vielen Pfirsich- und Weidenbäumen bepflanzt. Ein Nachbau des Wandelweges ist im Sommer- palast in Peking zu finden. Westlich des Sees kann man durch eine sehr schöne, weitläufige Parkanlage  spazieren, wo es viele Wiesen und kleine Teiche mit Fischen gibt. Einige kleine Pavillons laden den Besucher zum Rasten und auch zum Entspannen ein. Viele Vögel, darunter auch Enten, Gänse und Pfauen lassen sich gerne füttern. Abends gingen wir dann in ein Restaurant essen, wo es verschiedene lokale Spezialitäten gab. Unter an- derem Fisch in einer leckeren Essigsauce oder das "Bettler-Huhn", welches in einer Hülle aus Lotos- Blättern gegart wird und so ganz saftig und zart schmeckt.      Am nächsten Morgen besuchten wir dann das Lingyin Kloster. Mein Fahr- er fand erst den Weg nicht, doch nach einigem Fragen kamen wir dann doch noch hin. Nachdem wir das Auto auf dem Parkplatz abgestellt hatten, mussten wir noch ein Stück durch einen kleinen Park gehen.   Der Weg zu den schönen Tempelanlagen führt an vielen aus dem Fels gehauenen buddhistischen Skulp- turen vorbei. In einer der vielen Felsnischen steckt der schmunzelnde "Milefo" (’lachender Buddha der Zukunft’) aus der Song-Zeit. Die Leute berühren die Steinreliefs und Figuren, wovon sie sich Glück oder auch Gesundheit erhoffen. Deswegen sind die Skulpturen schon sehr abgegriffen.      Es sind insgesamt 380 exzellente buddhistische Felsskulpturen, die aus dem 10.- 13.Jh. stammen. Obwohl die Sonne schon wieder kräftig wärmte, ließ ich es mir nicht nehmen, den Weg auf den Gipfel des "Feilai Feng"  (’Huegel, der herbeiflog’) bis ganz nach oben zu gehen. Mein Hemd und auch die Hose waren klatschnass, als wir oben anlangten, dafür gab es da eine kleine Pause und frisches Wasser von einem Verkaufsstand. Der Weg hinunter war nicht minder anstrengend, besonders weil die schmalen Wege kaum gesichert sind. Außerdem waren sehr viele Touristen unterwegs, so hatte die Szene nahezu den Charakter eines Jahrmarktes.   Die Klosteranlage besteht aus mehreren Tempeln, welche an den Hang  des Hügels gebaut sind. Von jedem Tempel geht es wieder ein Stück hin- auf bis zum nächsten. Dafür sind diese sehr schön ausgestattet, reichlich verziert, mit riesig- en Statuen von verschiedenen Göttern oder Kriegern und mit vielen kunstvollen Schreinen eingerichtet. Da in den Tempeln das Abbrennen von Räucherwerk nicht erlaubt ist, stehen vor den Hallen große Gefäße  mit Abdeckungen wie kleine Pagoden, daneben gibt es Feuerstellen, wo man seine Stäbchen entzünden kann. Viele Gläubige beten hier und versorgen die Umgebung mit neuem Qualm. Der imposante und viel besuchte Tempel wurde im Jahr 326 gegründet. Zu den Hauptattraktionen zählen auch eine Tempelwächterfigur aus der Süd-Song- Zeit und die gewaltige Haupthalle mit einer 20 m hohen, goldenen Buddha- statue. Die goldenen Tempelwächter im Bild rechts sind nur fünf einer ganzen Reihe, an der  Wand gegenüber standen noch einmal so viele. Auf dem Weg zu der obersten Halle mit herrlichen, geschnitzten Buddhastatuen konnten wir noch in einem kleinen Museum viele Schriftstücke und Gegenstände betrachten, welche noch aus der Gründungszeit des Klosters stammten. Auf dem Rückweg sahen wir noch eine Weile bei einer buddhistischen Zeremonie zu, welche in einem der Tempel gehalten wurde.      Danach fuhren wir weiter, zu der am Ufer des Qiantang-Flusses gelegenen "Liuhe Ta", der "Pagode der sechs Harmonien". Diese sehr wuchtige,  60m hohe Pagode südlich der Stadt wurde erstmals 970 errichtet und er- hielt 1899 ihre jetzige Form. Dreizehn äußere und sieben innere Stockwerke erlauben einen weiten Blick über den Qiantang-Fluss und über die Stadt. Natürlich konnte ich es wieder nicht lassen, bis ganz nach oben zu gehen. Es war auch wieder so warm wie gestern und ich war auch wieder in Schweiß gebadet, als wir endlich oben angelangt waren. Dafür wurde ich mit einem fantastischen Rundblick belohnt und konnte mich an der Aussicht kaum sattsehen.      Neben der Pagode befindet sich im Wald ein schöner chinesischer Garten. In dem Pavillon auf dem Bild hängt eine Glocke, welche durch einen Holzknüppel  angeschlagen werden kann. Eine Liste auf einer Tafel neben dem Häuschen zeigt alle Gelegenheiten, wo das Anschlagen der Glocke Glück bringen soll: Geburtstage, religiöse und nationale Feiertage, Promotionen, Verlobung, Heirat, Geburten, ... kurz: Es gibt keine, nicht passende Gelegenheit. Etwas weiter kommt man in ein Waldstück, in welchem man sehr viele, schöne Nachbauten von echten Pagoden findet. Eine Tafel bei jeder Pagode erklärt, wo diese wann und von wem errichtet wurde. Die Pagoden sind von ca. 1m bis über 3m groß und meistens sehr detail- getreu nachgebildet. Manche der kleinen Modelle sind aus Holz und bemalt, andere wieder aus Stein oder Gips. Die einen sind schon etwas beschädigt, andere sehen wie neu aus. Die grelle Sonne und die Schatten des Blätterdaches machten das Fotogra- fieren schon etwas schwierig, dennoch habe ich sehr viele Fotos gemacht.  Am Fuße des Hügels kommt man schließlich zu der Gedenkstätte des Mönchs Zhi Tan, der sich sehr um den Erhalt der Liuhe Ta Pagode bemüht hatte. Nach der Besichtigung dieser Anlage war es leider schon wieder Zeit, nach Changzhou ins Hotel zurück zu fahren. Bis wir wieder beim Grand Hotel waren, hatte mein nassgeschwitztes Hemd Zeit, im klimatisierten Auto wieder zu trocknen.
Hangzhou General Yue Tempel Hangzhou General Yue Tempel West Lake West Lake West Lake West Lake West Lake West Lake West Lake Park West Lake Park West Lake Park Grotten Grotten Lingyin Tempel Lingyin Tempel Lingyin Tempel Lingyin Tempel, oberste Halle Pagode der sechs Harmonien Pagode der sechs Harmonien Pagode, Garten Pagoden-Replika Pagoden-Replika Mönch Zhi Tan Hangzhou Hangzhou West Lake, Park West Lake, Laterne West Lake, Bambus Hall Lingyin Tempel, Goldener Buddha Meine "Promi-Limousine" Changzhou - Straßen Hangzhou - Grotten Lingyin Tempel Hangzhou West Lake - Abendstimmung Lingyin Tempel Hangzhou Pagode - Aussicht Hangzhou Pagoda Garten Hangzhou Pagoda Garten Pagoden-Replika Lingyin-Tempel Hangzhou - Tempel des General Yue Fei Hangzhou - West Lake Hangzhou West Lake - Park Hangzhou West Lake Hangzhou - General Yue Fei
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Grab des Gernals Yue, Eingangstor
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