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© Manfred Bittner 2012
Marokko
In Marokko habe ich 2005 die Stadt Casablanca im Zuge einer Dienstreise besucht.
Der Name der Stadt stammt aus dem Spanischen und bedeutet “weißes Haus”, der
arabische Name ist “Dar el Beida”.
Sie ist das wichtigste Handels- und Industriezentrum Marokkos, größter Hafen
Nordafrikas und mit etwa 1,2 Mio. Einwohnern die größte Stadt Marokkos. Die
Region Casablanca beherbergt ungefähr um die 3,3 Mio. Einwohner und ist die
dichtbesiedeltste des Landes.
Casablanca ist heute auch eine moderne Großstadt mit wenigen alten Bauwerken und geringen
marokkanischen Kulturelementen, aber vom französischen Kolonialismus geprägt - mit breiten
Boulevards und französisch inspirierten Stadthäusern aus den 30er und 40er Jahren, ergänzt durch
neue Hochhäuser und viele Gebäude in neuorientalischem Stil. Kinos, Cafés, Restaurants, Discos -
alles ist hier zu finden.
Sehr interessant sind auch die Basare, wo man alles kaufen kann. Am Lebensmittel-Markt gibt es
lebende Hühner und Hasen, Oliven, Gewürze und Hammelfleisch, Obst und Gemüse in reicher Auswahl.
Der Gestank ist besonders bei den ‘lebenden’ Lebensmitteln oft unerträglich.
In den schmalen Gässchen werden die Waren meist so weit vor den Geschäften aufgebaut, daß man
schon beinahe darüberstolpert.
Markisen von beiden Straßenseiten schützen den Basar und die vielen Besucher fast vollständig vor
der Sonne. Manche Leute versuchen sich etwas dazu zu verdienen, indem sie Kunden zu den
Geschäften bringen. Einer lotste uns quer durch den halben Basar zu "seinem" Geschäft.
Da wir nicht die Absicht hatten, etwas zu kaufen, bewunderten wir die ausgestellten Teekannen, Leder-
polster, Taschen, Teller, Wasserpfeifen und was es sonst noch zu sehen gab, bevor wir uns höflich be-
dauernd verabschiedeten. Kaum waren wir wieder draußen, wollte schon wieder jemand wissen, wonach
wir suchten, er könnte uns bestimmt sagen, wo wir "das" kaufen könnten...
Wir kamen auch an einer winzig kleinen Werkstätte vorbei, wo Musikinstrumente in Handarbeit
hergestellt wurden. Der ganze Raum maß vielleicht drei mal drei Meter.
Für die Laute auf dem Bild wollte er 1200 Dirham haben, was (im April 2005) einem Gegenwert von
ungefähr 110 Euro entsprach. Mit Sicherheit hätten wir auch noch handeln können und die Tragetasche
wäre auch noch inklusive gewesen.
Auf dem Heimweg ging es noch einmal durch den Lebensmittelmarkt, wo auch ‘frischer’ Fisch ohne
Kühlung und Schutz mitten im Weg angeboten wurde. Vorsichtshalber haben wir auch davon lieber
nichts gekauft...
Auch in diesen engen Gassen des Basars fahren Autos und vor allem Motorräder meist ohne viel
Rücksicht, dafür mit umso mehr Krach und Gestank.
Seit dem 8. Jahrhundert war auf dem Gebiet des heutigen Casablanca die nachweis-
bare Siedlung Anfa lange Zeit Hauptort des Berberreichs der Berghouta. Sie
wurde im 12. Jahrhundert von den Almohaden erobert. In den nachfolgenden Jahr-
hunderten entwickelte sie sich zu einem wichtigen Umschlagplatz für Getreide,
gleichzeitig aber auch zu einem gefürchteten Stützpunkt für Piraten. Im Jahre 1575
wurde die Stadt von den Portugiesen besetzt und erhielt den Namen Casa Branca.
Nachdem ein schweres Erdbeben 1755 das "Weiße Haus", wie "Casa Branca" auf
Portugiesisch heißt, verwüstet hatte, wurde es nur wenige Jahre später unter dem selben
Namen, arabisch Dar el-Beida, vom Alouiten-Sultan Sidi Mohammed Ben Abdallah
wieder aufgebaut. Er versah die Stadt mit einer theologischen Schule, öffentlichen Bädern
und einer Moschee, die seinen Namen trägt.
Mitte des 19. Jahrhunderts schließlich ließen sich spanische Händler in der Stadt nieder und nannten
sie Casablanca. Bis zum Anfang des 20. Jahrhundert erlebte die Stadt einen starken wirtschaftlichen
Aufschwung und löste Tanger als wichtigsten Hafen Marokkos ab.
Casablanca wurde in der Zeit des französischen Protektorats zum neuen Wirtschaftszentrum
ausgebaut.
Der Film “Casablanca” mit Humphrey Bogart und Ingrid Bergmann spielt zwar in
dieser Stadt, wurde aber komplett auf dem kalifornischen Studiogelände gedreht.
Bis vor wenigen Jahren fand man hier nichts darüber außer einigen Postern.
Mittlerweile entstand gegenüber der Altstadt ein „Rick’s Café Américain“, das jetzt
zwar „Bar Casablanca“ heißt, aber tatsächlich recht nah an die Atmosphäre des
Film-Vorbildes herankommt.
Bei einem Spaziergang zu der großen Moschee kam ich auch an diesem alten
Stadttor vorbei, unweit davon bot sich eine alte Verteidigungsanlage mit Kanonen
als Fotomotiv an.
Die imposanteste Sehenswürdigkeit Casablancas ist jedoch die moderne Große Moschee, deren
Namensgeber der mittlerweile verstorbene König Hassan II. ist. Mit ihrem 210 Meter hohen Minarett und
dem 30 Kilometer weit reichenden Laserstrahl bei Nacht ist sie weithin sichtbar und lockt Pilger und
Touristen aus allen Teilen der Welt an. Nach der Moschee von Mekka kommt sie mit ihrer Größe direkt
an Platz zwei. Der Bau stammt vom französischen Architekten Michel Pinseau und die Gläubigen können
sich an diesem Ort geistiger Sammlung mitten in der Stadt doppelt geborgen fühlen: Erdbebensicher ist
das Wahrzeichen Marokkos auch noch.
Von der Welt abgeschnitten hat man sich den Gebäudekomplex aber nicht vorzustellen. So beherbergt er
zum Beispiel die größte theologische Bibliothek der islamischen Hemisphäre, die auf neuestem
technischen Stand und mit allen anderen Bibliotheken dieser Größenordnung elektronisch vernetzt ist.
Zudem befindet sich eine Universität in dem Bau, außerdem ein Nationalmuseum und mehrere
klassische Bäder (Hamams).
Hier ein paar "technische Daten":
10.000 m² Mosaikböden,
67.000 m² Stuck,
53.000 m² geschnitzte und bemalte Holzdecken und -wände wurden verlegt.
Der Gebetssaal fasst bis zu 25.000 Gläubige,
auf dem Vorplatz der Moschee können weitere 80.000 Menschen dem Gebet beiwohnen.
Und noch etwas unterscheidet die Moschee Hassan II. von allen anderen Gebetshäusern Marokkos:
Sie darf von Nicht-Muslimen besichtigt werden! Dafür muss man zwar Eintritt bezahlen, der ist es aber
allemal wert, diese herrlichen Details aus der Nähe zu betrachten.
Weitläufige Säulengänge spenden Schatten für die Studierenden der Koranschule und Universität,
welche sich gegenüber der Moschee befindet. Man kann sich kaum an den vielfältigen Mustern und
Formen sattsehen.
Besonders kunstvoll gestaltet ist auch das Innere der Moschee. Natürlich müssen
auch Besucher die Schuhe ausziehen, bevor sie das Gebetshaus betreten dürfen.
Während der Führung bleibt ausreichend Zeit, die gigantischen Ausmaße und die
vielen kunstvollenen Details dieses islamischen Tempels zu bewundern und auch
das Fotografieren ist erlaubt. Allerdings sollte man darauf achten, keine Gläubigen
während des Gebets zu filmen oder abzulichten.
Um gute Aufnahmen zu machen, empfiehlt sich die Mitnahme eines Statives und Langzeitbelichtung,
denn alleine mit dem eingebauten Blitzlicht kann man die hohen und weiten Räume nicht ausleuchten.
Wer genau hinsieht, findet immer neue Perspektiven und noch mehr faszinierende Details in dem
Gebäude.
Das Dach der Moschee kann übrigens zur Seite gefahren werden und so das Sonnenlicht in das Haus
lassen, was auch an schönen Tagen gemacht wird.
Die ganze Moschee wurde auch direkt in das Meer gebaut. Aber der angeblich wasserdichte Beton für
die Fundamente erwies sich jedoch als undicht, worauf die Armierungen zu rosten begannen. Man ist
nun dabei, den normalen Baustahl durch rostbeständigen Stahl zu ersetzen und die Fundamente zu
erneuern. Hat der Bau schon etwa 1 Milliarde DM (ca. 500 Mio Euro) gekostet, kommt die Renovierung
und Instandhaltung auch nicht gerade billig.
Wenn der atlantische Ozean während der Flut an die Küste brandet, spritzen Wellen meterhoch. Des-
halb ist auch der meerseitige Zugang zu den Anlagen der Moschee aus Sicherheitsgründen mit Planken
versperrt und mit Gittern abgeriegelt.
Bilder zum Vergrößern bitte anklicken