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© Manfred Bittner 2012
Peterhof
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Im August 2009 unternahm ich im Zuge meines Aufenthaltes in St. Petersburg einige Ausflüge
zu verschiedenen Sommerresidenzen der Zaren.
Gatschina
Eine Reise führte mich in das nicht weit entfernt gelegene Gatschina, wo sich ein überraschend
schlichter, aber dennoch beeindruckend großer Palast und ein weitläufiger Park befinden.
Die Stadt Gatschina liegt in einer reizvollen Landschaft, ungefähr 45km südwestlich von Sankt
Petersburg. Grigorij G. Orlow, einer der Geliebten Katharinas der Großen, ließ 1766 hier
einen Palast errichten und auch einen ausgedehnten Landschaftsgarten anlegen. Nach
Orlows Tod schenkte die Zarin das Anwesen ihrem Sohn Paul I. Nach dessen Ermordung 1801
verwaisten Schloss und Park.
Mitte des 19.Jh. nutzte die Zarenfamilie das Schloss wieder als Jagdschloss. Während der
Besetzung Gatchinas im zweiten Weltkrieg brannte das Schloss aus und der Garten wurde
verwüstet. So schlicht der Palast von aussen wirkt, so prunkvoll ist sein Inneres. Eine Sam-
mlung kostbarer Möbel und eine schöne Porzellansammmlung kann man auch besichtigen.
Peterhof
Ein weiterer, wesentlich besser bekannter und von entsprechend vielen Touristen besuchter
Sommerpalast liegt nicht weit vom Stadtzentrum St. Petersburgs in Peterhof. Am Newa-Ufer
gleich beim Winterpalast befinden sich die Fahrkartenschalter und Anlegestelle der Tragflügel-
boote, mit denen man in ca. 30 Minuten direkt zum Park-Eingang gebracht wird.
Gleich am Pier, wo die Boote anlegen, durfte ich sofort eine Eintrittskarte für den Park des
Schlosses Peterhof lösen. Dann folgte ich einfach den Touristen, welche ja auch zum Schloss
wollten. Das ist ein entspannender Spaziergang entlang eines pfeilgeraden Stichkanals zur
Ostsee. Das Wetter war leider recht unbeständig, regnerisch und sehr windig.
Dennoch beeindruckt der barocke Prachtbau mit den herrlichen Parkanlagen. Kurz nach der
Gründung von St.Petersburg entstand hier ein kleines Landhaus, das Peter der Große in Auf-
trag gegeben hatte. Nach seinem Sieg über die Schweden 1709 beschloss der Zar, hier ein
‘russisches Versailles’ zu errichten. Im Jahre 1714 wurde mit dem Bau begonnen und 1723
wurde Peterhof als Zarenresidenz eingeweiht.
Danach wurden Schloss und Parkanlagen ständig erweitert und verschönert. Unter der Zarin
Elisabeth I. kamen die Seitenflügel hinzu und die Innenräume wurden in barockem Stil gestal-
tet. Dem Landschaftsarchitekten Jean Baptiste Leblond verdankt Peterhof seine Gärten und
die vielen Springbrunnen und Wasserfälle.
Die Hauptattraktion von Peterhof ist ohne Zweifel die mächtige goldene
Kaskade vor dem Schloss. Mehr als 150 Fontänen und die vielen origi-
nellen Wasserspiele werden durch ein ausgeklügeltes Rohrsystem ge-
speist und funktionieren ausschließlich durch natürliches Gefälle.
Der Seekanal verbindet in gerader Linie die goldene Kaskade mit der Ostsee. Da der Zar oft mit
dem Schiff anreiste, bildete der 400m lange Kanal die Paradeeinfahrt zum Palast. Er bildet den
architektonischen Mittelpunkt des gesamten Schloss- und Park-Ensembles. Zahlreiche ver-
goldete Bronzestatuen säumen die beiden Seiten der Kaskade und demonstrieren den
zaristischen Luxus.
Um den Sieg bei Poltawa über die Schweden zu versinnbildlichen, entstand der prächtige
Springbrunnen "Samson reißt dem Löwen den Rachen auf".
Am Ende des linken Flügels befindet sich die Schlosskirche mit ihrer schönen Kuppel und
den vier Türmchen in wunderschönem Barock. Auch diese entstand unter der Zarin Elisabeth I.
im Zuge der Erweiterungen.
Auch Peterhof wurde während des zweiten Weltkrieges weitgehend geplündert und zerstört.
Unmittelbar nach Kriegsende begannen die Aufräumarbeiten und bereits im Sommer 1945
wurden Teile des unteren Gartens wieder für Besucher geöffnet. In jahrelanger Arbeit mussten
die zerstörten Kunstwerke wieder restauriert werden, wobei das Geld immer wieder knapp
wurde.
Der Schlosspark besteht aus dem oberen und dem unteren Garten,
welcher von der großen Kaskade und dem Kanal zur Ostsee dominiert wird.
Der mit Bosketten, gestutzten Büschen und Bäumen, Rasenflächen
und seinen vielen vergoldeten Statuen und Vasen dekorierte obere Park
ist nach dem Vorbild eines typischen französischen Barockgartens ge-
staltet. Im unteren Garten befinden sich viele kleinere Pavillons, schattige
Boskette und Wasserspiele.
Eine Marmor-Sitzgruppe lädt zwar zum Verweilen ein, ist aber für Besucher leider gesperrt.
Im westlichen Teil des Parks vor dem Schlösschen Marly, welches als
Gästehaus diente, kann man die Kaskade ‘goldener Berg’ bewundern.
Drei Löwenköpfe speien Wasser, das über die von Statuen gesäumte
Treppe in das Becken fließt.
Das Pendant dazu im östlichen Park ist die Schachbrett-Kaskade. Hier
sind es drei Drachen, welche das Wasser speien. In diesem Teil des
Parks befindet sich auch das andere Schlösschen Monplaisir, welches
der Zar wegen seiner Schlichtheit privat eher bevorzugte.
Die Löwen-Kaskade aus grauem und rotem Marmor ähnelt einem römischen Tempel.
Die Eremitage im westlichen Teil des Parks ist von einem Wassergraben umgeben, der 2009
gerade renoviert wurde. Ursprünglich gab es in dem Schlösschen keine Treppe. Die Gäste und
der fertig gedeckte Tisch wurden mit einer Zugvorrichtung in den ersten Stock befördert, wo
man dann während des Essens unter sich war.
Die schönen bunten Blumen und Brunnen in der weitläufigen Anlage sind immer wieder gute
Motive für Fotografen. Entlang der gut gepflegten Alleen kann man oft schöne Statuen, kleinere
Brunnen oder wie auf dem Bild schöne Säulen mit Vasen oder Büsten sehen.
Die nördliche Begrenzung der großen Parkanlagen bildet die Ostseeküste. Von einem
künstlichen Damm hat man einen schönen Blick über das Meer auf der einen Seite und dem
Park auf der anderen.