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© Manfred Bittner 2012
Puerto Rico
Ende April 2005 war ich eingeladen, um in San Juan, der Hauptstadt von Puerto Rico eine Schulung für
unsere dortigen Händler durchzuführen.
Der Freistaat Puerto Rico ist ein mit den USA assoziierter Inselstaat in der Karibik und besteht nebst der
Hauptinsel aus den kleineren Inselchen Vieques, Culebra, Culebrita, Palomino, Mona und Monito.
Puerto Rico ist die kleinste und östlichste Insel der Großen Antillen.
Puerto Rico ist von Sandstränden umgeben und bietet ideale Bedingungen für Surfer. Taucher schätzen
die Korallenwälder und die unterschiedlichen Wassertiefen der Gewässer. Im Hinterland findet man
neben Kaffee- und Ananasplantagen auch einzigartige Regenwälder, malerische Bergregionen und im
Parque de las Cavernas del Rio Camuy auch eine bizarre Höhlen-Landschaft. Auf jeden Fall ist die
Altstadt von San Juan mit ihrem spanischen Flair einen Besuch wert.
Das alte San Juan bietet wunderschöne Gassen und Winkel, die historischen Bauwerke versetzen den
Besucher in eine andere Epoche. Neben dem "Old San Juan" gibt es auch auch die neue, moderne
Stadt, die sich in amerikanischem Stil mit Hochhaus-Klötzen und Einkaufszentren zeigt. Auch das
Capitol ist nach dem Vorbild Amerikas gebaut.
Im Jahr 1493 wurde Puerto Rico von Kolumbus entdeckt und Teil des spanischen Herr-
schaftsgebietes. Unter Juan Ponce de León begann 15 Jahre später die Kolonisation,
welche zur Ausrottung der Indianer führte und der Besiedlung durch schwarze
Sklaven. Das Grabmal des Ponce de León findet man in der Kathedrale von San
Juan.
San Juan ist einer der Häfen, welche bei Karibik-Kreuzfahrten regelmäßig angelaufen werden. Meist
sieht man an den Piers die großen Schiffe liegen und viele Gäste sind in der Stadt unterwegs.
Für den Gourmet gibt es auch hier viele Gaststätten mit lokalen Spezialitäten, wenn auch verschiedene
Fastfood-Ketten ebenso Fuß gefasst haben.
Fast 300 Jahre haben Militärarchitekten und kluge Strategen daran gearbeitet, aus San Juan eine
uneinnehmbare Festung zu machen. Die ursprünglich kleine Anlage konnte den Hafen auf der
Innenseite der Halbinsel nicht mehr ausreichend schützen und wurde deswegen zur Residenz für den
Gouverneur und als Regierungssitz umgebaut. Zur Verteidigung der Stadt wurde daraufhin die
Festungsanlage El Morro errichtet.
Diese ragt weithin sichtbar an der Spitze der Insel ins Meer hinaus und dominiert mit seinen mächtigen,
über 40 Meter hohen Mauern die Hafeneinfahrt. Britische und holländische Freibeuter versuchten immer
wieder, die Stadt und die Insel einzunehmen, bis Mitte des 18. Jahrhunderts der irische Feldmarschall
Alexander O'Reilly die Anlagen von El Morro und der zweiten Festung San Cristobal so verstärkte, daß
jeder Angriff zum Scheitern verurteilt war.
1898, am Ende des Spanisch-Amerikanischen Krieges übergab der Gouverneur des spanischen
Königs die Insel kampflos an die Vereinigten Staaten. Die entscheidenden Schlachten waren anderswo
geschlagen worden und Spanien hatte seine Besitztümer in der neuen Welt für immer verloren.
Noch immer beeindrucken die mächtigen Mauern und Bastionen die Besucher und bieten gute
Fotomotive.
Während meine Kollegen und ich dieses Fort besichtigten, zog sich ein Gewitter über der Stadt
zusammen und schuf damit eine eher düstere und bedrohliche Stimmung. Die klare Luft sorgte hingegen
für einen herrlichen Ausblick.
Auf den Bastionen sieht man noch genau, wo einstmals die Kanonen standen. Auch im zweiten Welt-
krieg wurden die Anlagen zur Verteidigung genutzt und dazu teilweise umgebaut. Diese neuen Teile sind
aber eher wenig auffällig und stören das Gesamtbild der Anlage nicht.
Hoch über die Festung ragt der wuchtige Leuchtturm. Von dieser obersten Ebene hat man einen
herrlichen Ausblick über die Stadt und das Meer.
Über die Auffahrrampen wurden damals wohl die schweren Kanonen, Pulver und Kugeln zu den
Geschützständen gebracht.
Beeindruckend sind immer wieder die bis zu 5 m dicken Mauern und die Wachtürme der Anlage, welche
noch immer in recht gutem Zustand erhalten sind. Das Fort wurde 1983 von der UN zum Weltkulturerbe
erklärt.
Nach der Arbeit hatten wir noch Zeit, die Bacardi Rumfabrik in San Juan zu besu-
chen. Zu Beginn des 19. Jh. kam der spanische Weinhändler Don Facundo Bacardi
Massó aus Katalonien nach Santiago de Cuba. Dort gab es nur ungereiften und
herben Rum, der wie Feuer brannte (Aquardiente). Er wollte nun aus diesem heftigen
Gebräu ein trinkbares, sanftes Getränk machen.
In dem Gebälk seiner ersten Destillerie lebte eine Kolonie Fledermäuse, ein Zeichen für Glück und
Geschick. So wurde dieses Tier zum bekannten Markenzeichen für den Bacardi-Rum.
Nach der kubanischen Revolution flohen die Bacardis nach Puerto Rico, wo diese Fabrik entstand.
Die Führung durch den Betrieb ist kostenlos und sehr verkaufsorientiert. In einem Museum wird die
Historie der Familie gezeigt und man kann an kleinen Rumfäßchen die Düfte der unterschiedlichen
Sorten von Rum schnuppern.
Neben El Morro findet man auch die Festungsanlagen von San Cristobal, welche ebenso
beeindruckend sind. Sie stammen aus der gleichen Zeit und liegen etwas weiter östlich von El Morro.
Von hier aus hat man auch einen tollen Blick über die Stadt, im Hintergrund sieht man das Capitol von
San Juan. Dies war übrigens erst der Name für die gesamte Insel und Puerto Rico (= reicher Hafen) war
die Hauptstadt. Irgendwann wurde das umgedreht und ist bis heute so.
Im Castillo San Cristobal befindet sich auch noch ein Museum, wo man die
Unterkünfte und auch die Ausrüstung der damaligen Soldaten sehen kann.
Trommeln, Schwerter, Degen, Hellebarden und alte Steinschloßgewehre sind in
gutem Zustand und können sogar angefasst werden.
Bilder zum Vergrößern bitte anklicken