mein Reisebilderbuch Manfred Bittner
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Russland - Puschkin
Katharinenpalast Katharinenpalast Katharinenpalast Katharinenpalast Katharinenpalast Katharinenpalast, Großer Saal Katharinenpalast Katharinenpalast Katharinenpalast, Bernsteinzimmer Schlosspark Schlosspark Schlosspark Schlosspark, Marmorbrücke Türkisches Bad Puschkin Denkmal Chinesisches Dorf Brücke zum chinesischen Dorf Katharinenpalast Katharinenpalast ‪See mit Türkischem Bad Witebsker Bahnhof, Foto: Alex Florstein Puschkin - Wappen Katherinenpalast - Katherina die Große Katharinenpalast - Tafel Katherinenpalast, Garten - Türkisches Bad und Marmorbrücke Katharina II.
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Im Zuge meiner Reise nach St. Petersburg im August 2009 machte ich auch einen Ausflug nach dem un- gefähr 25 km südlich gelegenen Puschkin. Hier in Zarskoje Selo befindet sich eine der vielen Sommerre- sidenzen des Zaren mit dem Katharinenpalast. Ich hatte mich ausgiebig schlau gemacht und wollte vom Witebsker Bahnhof nach Dezkoje fahren, von wo dann Busse zum Palast abfahren sollten.   Nachdem ich am Bahnhof geduldig gewartet hatte, bis alle vor mir in der Warteschlange fertig waren, stellte sich heraus, dass ich mich in der falschen Schalterhalle angestellt hatte. Also einmal fast um den halben Bahnhof herum, dann noch einmal anstellen. Nach mehreren leider vergeb- lichen Erklärungsversuchen hielt mit die Fahrkartenverkäuferin dann ein englischsprachiges Schild unter die Nase, auf dem ich lesen konnte, dass zwischen 10:00 Uhr bis 14:00 Uhr keine Züge auf dieser Strecke fahren würden... Als ich mich verwirrt und enttäuscht umdrehte, fragte mich ein Mann, ob ich ein privates Taxi nehmen wollte. Ich fragte nur: "Wieviel?" und wenig später war ich mit einem Privatauto unterwegs. Für 5000,- Rubel (110,30 Euro) plus 300,- Rubel (6,60 Euro) zur 'Beschwichtigung' der Sicherheitsbeamten, wollte er mir auch noch schnellen Eintritt verschaffen und mich wieder zurückbringen - 'all inclusive', sozusagen. Das hat sich dann allerdings tatsächlich gelohnt und obwohl Individualtouristen erst ab 12:00 Uhr einge- lassen wurden, wurde ich an allen wartenden Gruppen vorbei flugs in den Palast geführt und konnte da bei fast jeder Führung zuhören...   Das Wetter hatte am frühen Morgen noch perfekt ausgesehen, hier allerdings war es stark bewölkt und ziem- lich windig. Ich hatte den Schirm im Hotel gelassen und stattdessen nur die Regenjacke mit.   Zarskoje Selo in der Stadt Puschkin ist zusammen mit Peterhof die schönste Zarenresidenz Russlands. Hier sind es weniger die vielen Springbrunnen und Kaskaden, als der Prunk und die barocke Schön- heit des Palastes, welche ihn auch zu einem beliebten Ausflugsziel für Touristen aus aller Welt machen. An der Stelle des Katharinenpalastes war einst ein kleines finnisches Anwesen 'Saari Muis' ('Meierei auf der Anhöhe'), welches Peter der Große im Jahr 1710 seiner Frau Katharina I. schenkte. Immerhin liegt das Gebiet stolze 65 Meter hoch über dem Meeresspiegel! So hieß es erst 'Saarskoje Selo'. 1918 wurde der Ort in 'Dezkoje Selo' (Kinderdorf) umbenannt. Seit 1992 heißt die Sommerresidenz wieder Zarskoje Selo. Die Anfänge des Palastes gehen auf das Jahr 1717 zurück. Damals beauftragte Katharina I. einen deutschen Architekten mit dem Bau eines Steinhauses. Nach ihrem Tode erbte Tochter Elisabeth I. den Besitz und veranlasste umfangreiche Vergrößerungen, Verschönerungen und die Aufstockung der Gebäude.        Barocke, aber auch viele klassizistische Elemente bestimmen die Innenräume des Schlosses. Die Prunkräume und die Privatgemächer der Zaren befinden sich im ersten Stock, zu dem man über das Weiße Vestibül gelangt. Je nach den Farben der Tapeten haben die Räume auch entsprechende Namen, wie z.B. blauer Salon oder grüner Salon. Bereits auf der Haupttreppe, dem 'Weißen Vestibül' standen mindestens vier verschiedene Gruppen von Touristen und die Erklärungen der jeweil- igen Führer verschwammen zu einem völlig sinnlosen Stimmengewirr. Entlang der 300m langen Hauptfassade geht man innen von einem Zimmer in das nächste. Auch hier war es oft nicht einfach, sich an den unzähligen Gruppen vorbei zu drücken um ins nächste Zimmer zu kommen. Fotografieren ist grundsätzlich gestattet, doch nur ohne Blitzgeräte. Dennoch sieht man immer wieder die Blitzlichter der Kameras.   Der Große Saal oder auch Tanzsaal gehört zu den größten und prunkvollsten Palastsälen in Europa. Er ist 47m lang, etwa 18m breit und hat eine Fläche von 846m².   Auch die Decken der Räume sind mit prachtvollen Fresken und vergold- eten Stuckarbeiten ausgestattet. Zwischen 1746 und 1760 hatte man für die verschiedenen Gesimse, Reliefs, Karyatiden und Atlanten bereits mehr als 100kg Gold aufgewendet. Das Dach aus Weißblech war zudem mit ebenfalls vergoldeten Statuen von nackten Jünglingen und Najaden  sowie Vasen geschmückt.   Besonders auffällig sind die herrlichen Kachelöfen in jedem Raum, welche meist bis zur Zimmerdecke reichen. Der Architekt Charles Cameron prägte das heutige Aussehen des Palastes. Er sorgte auch für den richtigen Zusammenklang der Materialien: Marmor, Stuck, farbiges Glas, Lackarbeiten, Porzellan aus  China und Japan, sowie exquisite Stoffe, die mit Gemälden aus Italien und Kunsthandwerk aus Frank- reich kombiniert wurden.         All dies wurde im Zweiten Weltkrieg vernichtet oder verschwand und ist bisher noch immer nicht wiederhergestellt. So auch das berühmte Bernsteinzimmer, welches zweifellos die Hauptattraktion des Schlosses ist. Es war ursprünglich im Berliner Stadtschloss eingebaut und wurde im Jahr 1716 vom preußischen König Friedrich Wilhelm I. an den russischen Zaren Peter den Großen  verschenkt. So befand es sich fast zwei Jahrhunderte hier im Katharinenpalast. Ab 1942 war es im Königsberger Schloss ausgestellt, seit dem Ende des zweiten Weltkrieges ist es bis heute verschollen. Mit der Unterstützung der deutschen Firma Essener Ruhrgas AG., die den Betrag von 3,5 Mio Euro bei- steuerte, gelang schließlich die Herstellung einer weitgehend dem Original entprechenden Kopie, die man heute besichtigen kann.        Um das Schloss herum kann man durch eine sehr schöne, liebevoll an- gelegte Parklandschaft spazieren. Ein großer See mit einer Insel bildet das Zentrum des Gartens. Die gesamte Residenz mit allen Parks und mehr als 100 Bauwerken hat eine Fläche von rund 600ha.   Die Grotte wurde 1753 bis 1757 von Bartolomeo Francesco Rastrelli am Nordufer des Sees errichtet. Die Stuckverzierungen der barocken Fassade zeigen Fische, Meeresungeheuer, Muscheln und Delphine. Heute ist hier eine kleine Ausstellung von Kutschen aus dem 17.-19.Jh..   Für den 'Lustgarten' ließ Zarin Elisabeth I. ausgewachsene Bäume mit dichten Kronen aus Holland, Deutschland oder Italien importieren. Dichte Heckenwände dienten als Hintergrund für zahlreiche Statuen. Im Park finden sich neben der Grotte etliche Pavillons, Denkmäler und Brücken in unterschiedlichen Stil- richtungen. Der Achatpavillon verdankt seinen Namen der Ausstattung mit Achat, Jaspis, Porphyr und Marmor in allen Farbschattierungen. Die Cameron-Galerie wurde nach dem schottischen Architekten Charles Cameron benannt, der maßgeblich das Aussehen des heutigen Schlosses und seiner Innenräume prägte.   Auch die Marmorbrücke ist eine der architektonischen Überraschungen im Park. Das interessant ausseh- ende Bauwerk war aber nicht für Besucher geöffnet und noch in recht baufälligem Zustand.   In den späten Jahren der Herrschaft Nikolaus I. ist noch ein Gebäude ent- standen, das durch seine malerische Lage am See jedem Besucher auf- fällt: Das Türkische Bad ist der letzte Pavillon, der im Park errichtet wurde. Die mit einer Sichel gekrönte Minarett-Attrappe und die reich verzierte, golde- ne Kuppel sind zur Erinnerung an den Russisch-Türkischen Krieg von 1828 - 1829 gedacht.      Dem bekannten, russischen Schriftsteller Alexander Sergejewitsch Puschkin wurde im Park auch ein schönes Denkmal gesetzt. Es befindet sich in der Nähe des Imperialen Lyzeums, eine Eliteeinrichtung, die Anfang des 19.Jh. von Zar Alexander I. gegründet wurde. Russlands berühmtester Dichter drückte hier in jungen Jahren die Schulbank.      Der Pavillon der Eremitage befindet sich am östlichen Parkrand. Erster Architekt des kleinen Schlösschens war Michail Zemzow, der es im Herbst 1744 im Rohbau vollenden konnte, bald darauf jedoch verstarb. Der Bau lag dann zwei Jahre lang brach, dann wurde die ‚Hermitage‘ unter der Leitung von Rastrelli nach seinen Plänen 1756 in vollkommen abge- änderter Gestalt vollendet. Das Erdgeschoss der Eremitage war für die Bediensteten bestimmt und ein enges Treppenhaus führte in den ersten Stock wo sich der große Saal befand. Dieser Raum war mit einem hydraulischen Tisch eingerichtet, der von der Küche im Erdgeschoss mit Win- den in den Saal hochgehoben werden konnte. Zur Bedienung des komplizierten Hebemechanismus, der im Keller verborgen war, waren zwölf Arbeiter von- nöten. Nach dem Mahl wurde der Tisch versenkt und es entstand ein Ballsaal. In meinem Reiseführer fand ich dann noch etwas über ein chinesisches Dorf  und ein chinesisches Theater, welche sich etwas weiter auf der anderen Seite eines Kanals in Richtung des Alexanderpalastes befinden sollten. Leider waren alle Brücken über den Kanal in diese Richtung mit Gittern abgesperrt. Den Park verlassen wollte ich auch nicht, da ich nicht wusste, wie ich dann wieder zurück zu dem Treff- punkt mit meinem Fahrer gelangen könnte. So blieb nur der Blick auf einen schönen, neu renovierten Turm  und ein paar Gebäude hinter den Bäumen. Das Bild zeigt eine der beiden Brücken über den oben erwähnten Kanal und Straße mit einem weithin gut sichtbaren Pavillon am höchsten Punkt. Diesen konnte man noch betreten, dahinter war dann ein Absperrgitter. Der kleine Pavillon war mit vielen Graffiti und Gedenk-Inschriften von Touristen reichlich verunziert und bedurfte zur Zeit meines Besuches (2009) dringend der Renovierung.
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