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© Manfred Bittner 2012
Sao Paulo
Im November 2008 war ich für zwei Wochen in der sechstgrößten Stadt der Welt, Sao Paulo. Hier durfte ich
für unsere Vertretung ein Service-Training machen.
Von mir zu Hause sind es rund 9700 km Luftlinie bis zur Stadt Sao Paulo in Brasilien. Von Stuttgart ging es
erst nach München, von dort dann direkt ans Ziel. Der 12-Stunden-Flug war recht angenehm, weil ich mir mit
den zwischenzeitlich angesammelten Prämien-Meilen einen Upgrade in die Business-Class geleistet hatte.
Auf der Übersichtskarte rechts sieht man den Flughafen Guarulhos im Nordosten der Stadt, und den Stadt-
teil Sao Bernardo do Campo im Süden, wo das Hotel und auch unsere Vertretung waren. Von da sind es
immer noch 60 km bis zum Atlantischen Ozean.
Sao Paulo ist der größte industrielle Ballungsraum in Lateinamerika. In der sechstgrößten Stadt der Welt
wohnen rund 20,2 Millionen Menschen.
Hier die Hitliste per 2008:
1. Tokio-Yokohama,
Japan
37,20 Mio
2. Mexiko-Stadt,
Mexiko
22,97 Mio
3. New York,
USA
22,93 Mio
4. Sudogwon (Seoul),
Südkorea
22,25 Mio
5. Mumbai,
Indien
20,87 Mio
6. Sao Paulo,
Brasilien
20,20 Mio
7. Metro Manila
Philippinen
19,20 Mio
8. Delhi
Indien
18,72 Mio
Sao Paulo ist die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates in Brasilien. Die Stadt ist das wichtigste
Wirtschafts-, Finanz- und Kulturzentrum sowie Verkehrsknotenpunkt des Landes mit Universitäten,
Hochschulen, Theatern und Museen.
Im größten industriellen Ballungsraum Südamerikas bilden rund 1000 deutsche Firmen die weltweit größte
Konzentration deutscher Industrie-Unternehmen.
Die Stadt ist durch zahlreiche Einwanderer aus aller Welt multikulturell geprägt mit wesentlichen
portugiesischen, italienischen, deutschen, libanesischen und japanischen Einflüssen. Die Einwohner der Stadt
Sao Paulo heißen „paulistanos“. Während mit „paulista“ eigentlich die Einwohner des Bundesstaats gemeint
sind, verwendet man diesen Begriff auch häufig verallgemeinernd für die Bewohner der Metropole.
Die Stadt liegt auf einer hügeligen Hochebene, im Schnitt ca. 795 m über dem Meeresspiegel im
Hochbecken der beiden Flüsse Rio Tiete und Rio Pinheiros. Obwohl Sao Paulo nahe des südlichen
Wendekreises liegt und die Sonne im Dezember zu Mittag fast senkrecht oben steht, erreichen die
Temperaturen kaum 30°C.
Sao Paulo wurde am 25.01.1554 von den beiden jesuitischen Missionaren Manuel de Nóbrega und José de
Anchieta um ein Kloster herum gegründet.
Das Gebiet blieb lange Zeit isoliert, da die Produktivität der Zuckerrohrplantagen nicht sehr hoch war. Im
17.Jh. wurde dann Weizen für den Export angebaut. 1711 wurde der Siedlung das Stadtrecht verliehen und
am 7. September 1822 wurde in Sao Paulo die Unabhängigkeit Brasiliens von Portugal erklärt.
Bis in das späte 19.Jh noch relativ unbedeutend, änderte sich die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt danach
mit der steigenden Nachfrage nach Kaffee, der unter günstigen Klima- und Bodenbedingungen hier gut
gedieh. Die verkehrsgünstige Lage zwischen Binnenland und Hafen förderte die wirtschaftliche Entwicklung
der Stadt.
Die Avenida Paulista in den Bildern rechts ist eine der Hauptstraßen der Stadt. Zu Beginn des 20.Jh. noch
spärlich bebaut, mit vielen Bäumen und Gärten, verschwindet sie heute zwischen den vielen Hochhäusern,
die das Zentrum der Stadt prägen.
Vereinzelt sieht man noch historische Gebäude neben den Wolkenkratzern.
Anders als das wohlbekannte Rio de Janeiro wird Sao Paulo üblicherweise nicht als Touristenort betrachtet.
Seine Attraktionen bleiben häufig unter dem städtischen Chaos verborgen. Das Stadtbild von Sao Paulo wird
von vielen Hochhäusern geprägt, die aber bei weitem nicht so hoch sind wie in New York - Manhattan. Das
höchste Hochhaus der Stadt ist das 170m hohe „Mirante do Vale“ (bis 1988 wurde es „Palacio Zarzur
Kogan“ genannt), das zweithöchste mit 168m das „Edificio Italia“, welches auch über ein Panoramarestaurant
verfügt. Ein weiterer Aussichtspunkt befindet sich auf dem „Edifício do Banespa“.
Zwischen Palmen, grünen Bäumen und Blumen will trotz der weihnachtlich geschmückten Kaufhäuser
keine Advent-Stimmung aufkommen.
Während die Leute hier in kurzen Hosen und T-Shirts flanieren, die Sonne sehr angenehme Wärme spendet,
steht Santa Claus mit seinem dicken roten Mäntelchen und Mütze in einem Meer von Watte...
Obwohl die vielen Hochhäuser scheinbar keinen Platz für freie Flächen lassen, findet man doch zwischendrin
immer wieder kleine Oasen der Ruhe. Diese schöne Kirche im Bild rechts bildet einen angenehmen Kontrast
zu dem emsigen Treiben in den Schluchten der Stadt.
Die größte Kirche der Stadt und bedeutende Sehenswürdigkeit ist die im neogotischen
Stil errichtete „Catedral Metropolitana“, mit deren Bau 1913 begonnen wurde und die
erst 1954 eingeweiht wurde. Sie hat ein Fassungsvermögen von 8000 Personen, eine
Länge von 110m und eine Breite von durchschnittlich 46m. Ihr Mittelschiff wölbt sich mehr
als 30m in die Höhe und ihre beiden Türme sind 92m hoch. Die italienische Orgel ist
die größte in Südamerika. In der Krypta sind die sterblichen Überreste des
Indianerhäuptlings Tibiriçá und die des Paters Diogo Antônio Feijó, des „Regente
Feijó“ (1784–1843), beigesetzt.
Im Stadtteil Ipiranga liegt das „Museu Paulista“, auch „Museu do Ipiranga“ genannt, inmitten des „Parque
Independência“, einer an die Gärten von Versailles angelehnten Gartenanlage mit dem Monument der
Unabhängigkeit und der „Casa do grito“, dem Haus, nahe welchem 1822 die Unabhängigkeit ausgerufen
wurde.
Für eine 20 Millionen-Stadt ist das historische Museum eher bescheiden mit Exponaten ausgestattet. Ein
paar alte Feuerwehr-Autos, Sänften und Truhen stehen in den Gängen, die Zimmer zeigen neben alten
Waffen auch Gegenstände aus dem Haushalt und ein paar Kleidungsstücke.
Vom ersten Stock hat man auch eine schöne Sicht über den Park auf die Stadt. Der größte Raum wird von
einem 7,60m x 4,15m großen Gemälde dominiert, das den Ruf "Independence or death" darstellt, die Erklär-
ung der Unabhängigkeit Brasiliens.
Obwohl schon wenige Monate nach der Erklärung der Unabhängigkeit die Idee für ein
Monument aufkam, dauerte es wegen Geldmangels und fehlenden Entschlüssen bis
1890, bis das Denkmal genau an dem historischen Ort errichtet und eingeweiht werden
konnte. Einst lag dieser weit außerhalb der Stadt, heute steht das Monument fast in der
Mitte von Sao Paulo.
In den Außenbezirken der Stadt und in den Vororten sieht man weniger hohe Häuser, dafür viele kleine Ge-
schäfte und Gewerbetriebe entlang der breiten Straßen.
Die meisten Häuser sind mit mehr oder weniger kunstvollen Graffiti besprüht, vor allem in den ärmeren
Wohnbezirken.
Auto- und Motorradwerkstätten gibt es viele, denn die Brasilianer fahren gerne Auto. Für unsere Maßstäbe
kostet Benzin relativ wenig und viele Autos fahren mit dem noch günstigeren Alkohol, der aus Zuckerrohr
gewonnen wird.
Die Stadt Sao Paulo war hingegen sehr sauber, nur selten sah man Abfälle auf der Straße. Der Erfolg der
Maßnahmen zur Mülltrennung und zum Recycling ist hier deutllich spürbar. Die Stadt kann ca. 90% des
gesamten Abfalls wiederverwerten.
Die meisten der Geschäfte sehen allerdings nicht sehr vertrauenserweckend aus und ich würde wohl hier kein
Fleisch kaufen wollen. Supermärkte wie Carrefour sind aber auch hier gut vertreten und bieten ein sehr
breites Sortiment an Waren an.
Daneben findet man immer wieder solche kleinen Straßenhändler mit Waren aller Art - Viele Kreditkarten
werden gerne akzeptiert.
Die gemütliche Kneipe um die Ecke darf natürlich in den Wohnbezirken nicht fehlen - natürlich mit Live-
Musik am Samstag abend.
Eine Bretterbude, ein handgemaltes Schild, ein paar Auto-Ersatzteile (woher die kommen, will niemand
wissen) - und fertig ist das Geschäft. An dem Eingang sind noch kleine Verbesserungen möglich - wenn das
Geld mal reichen sollte.
In den Wohnvierteln, die oft in hügeligem Gelände gebaut sind, reiht sich ein Häuschen an das andere. Alle
mit einem breiten Gittertor zur Straßenseite. Drin steht das Auto und neben einer gemütlichen Sitzecke ist
auch gleich der Eingang ins Haus.
Bilder zum Vergrößern bitte anklicken