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© Manfred Bittner 2011
Teneriffa
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Der Winter auf der schwäbischen Alb hatte 2010 viel zu lange gedauert. Obwohl wir im April fast
zwei Wochen herrliches Frühlingswetter hatten, wurde es danach wieder sehr wechselhaft,
regnerisch und kühl. Zum Sommeranfang am 21. Juni hatte es noch Temperaturen von +6° am
Morgen und nicht viel mehr als 12°C untertags. Auch wenn der Sommer doch noch wärmer
würde, befürchtete ich, dass es pünktlich zu Beginn meines Haupturlaubs wieder nass und kalt
werden könnte.
So hatte ich eine 11-tägige Pauschalreise in die Sonne und Wärme nach Teneriffa gebucht -
mit Flug und Hotel, und auch gleich einen Leihwagen gemietet. (Es gab dann tatsächlich vom
ersten bis zum letzten Tag meines Urlaubs wieder mieses, kühles und regnerisches Wetter auf
der Alb).
Ich hatte mich für Teneriffa entschieden, weil es hier doch ziemlich viel zu sehen gab und
ich nicht den ganzen Urlaub lang nur am Strand liegen wollte. Bei einem Durchmesser von
50 bis 80km und einer Fläche von 2034 km² ließ sich die Insel mit dem Auto gut erkunden,
ohne lange Fahrzeiten in Kauf nehmen zu müssen.
Teneriffa liegt im Zentrum des kanarischen Archipels und ist die größte der sieben
kanarischen Inseln, zu denen auch La Gomera, La Palma, Gran Canaria, El Hierro,
Lanzarote und die Insel Fuerteventura gehören. Rund herum gibt es dann noch einige
unbewohnte oder nur dünn besiedelte Felsbrocken, die wie die gesamten Ka-
naren auch vulkanischen Ursprungs sind. Geografisch gehört das Archipel zu
Afrika, politisch aber als autonome Region mit eigener Regierung zu Spanien und
damit zu Europa.
Die 865.000 Tinerfeños sind in der Mehrzahl Nachkommen der spanischen
Kolonisatoren und der hispanischen Guanchen. Unter den Ausländern stellen Süd-
amerikaner, Deutsche und Briten die größten Anteile.
Der Tourismus und die damit verbundene Bauindustrie sind der Motor der kanar-
ischen Wirtschaft. Jedes Jahr besuchen rund 5 Millionen Urlauber die Insel
Teneriffa. Eine Erdölraffinerie, chemische Betriebe und Fabriken zur Fischverarbeitung
befinden sich allesamt in der Nähe der Hauptstadt Santa Cruz de Tenerife. Die
Landwirtschaft spielt nur eine untergeordnete Rolle, angebaut werden in erster Linie
Bananen, aber auch Kartoffeln, Tomaten, Zierpflanzen und Wein.
Auf Teneriffa herrschen, wie auf den anderen Inseln des Kanarenarchipels, ganz-
jährig milde Temperaturen. Die Nordost-Passatwinde, welche auch für das soge-
nannte Azorenhoch verantwortlich sind, lassen die mit Meerwasser gesättigte Luft
am Teide-Massiv aufsteigen, welche dort in etwa 1000m bis 1500m Wolken bildet.
Beim Kontakt mit den Kiefern- und Lorbeerwäldern kondensieren diese zu ganz feinem
Nieselregen. Damit ist der Norden und Osten der Insel wesentlich grüner. Der
trockene und wärmere Süden ist dafür bei den Urlaubern beliebter.
Im Südwesten der Insel findet sich die kleine Stadt Los Christianos und ein Stückchen weiter
nach Norden die Touristen-Hochburg Playa de las Americas, wo sich auch mein Hotel befand.
Die gesamte Umgebung ist geprägt von ausgedehnten Hotelanlagen, Einkaufszentren, jeder
Menge Bars und Restaurants.
Unzählige Strände für jeden Geschmack bieten viel Platz zur Erholung und Entspannung. Eine
Liege und ein Sonnenschirm waren für 6,- Euro pro Tag zu haben. Mein bevorzugter Strand war
etwas nördlich und bestand größtenteils aus Schotter, der war mir lieber als der feine Sand.
Nach einem erholsamen Tag am Strand oder Hotelpool zieht es die meisten Gäste abends in die
Einkaufszentren, Bars und Restaurants. Im Glanz der Lichter erwacht hier eine Stadt zu
neuem Leben. Laute Musik und Animationen schallen aus den Hotelbars und Lokalen bis spät
in die Nacht.
Playa de las Americas war, bevor die Touristen kamen, nichts als Wüste. Es gab
Obstplantagen, eine Saline und wenige, kleine Häuser. Von all dem ist heute nichts
mehr übrig geblieben. Die Stadt entwickelte sich zu einer einzigen Bettenburg, nach
und nach wurden immer mehr Hotels gebaut. Der Hafen und das Fischerdorf Los
Cristianos wurden dabei mit integriert.
Im Hafen liegen nicht nur die bunten Fischerboote, sondern auch etliche private Yachten und
Ausflugsschiffe. Unübersehbar sind aber die Anlegestellen der Fähren wie von Fred Olsen
oder Armas. Diese bieten regelmäßige Fahrten zu den Nachbarinseln an.
Von Los Christianos fährt man auf der kurvenreichen Straße über Arona nach Vilaflor. Im Nu
ist man vom Meeresspiegel auf ungefähr 1400m Höhe. Jede Kurve bietet einen neuen noch
fantastischeren Ausblick.
Auf dem Pass Boca de Tauce in rund 2000m Höhe teilt sich die Straße dann und man kann
entweder zu den Los Gigantes fahren, oder nordöstlich tiefer in den Parque Nacional del Teide
hinein. Ich fuhr zunächst weiter in den Park zum Teide.
Je höher man kommt, um so wilder und wüster wird die Landschaft. Oberhalb der Baumgren-
ze, kann man sich an den immer wieder wechselnden Landschaften kaum sattsehen. Trotz der
vielen Parkplätze blieb ich oft mitten auf der Straße stehen, um die Aussicht zu genießen und
Fotos zu schießen. Gut, dass nicht viele Autos unterwegs waren.
Hat man die Hochebene Llano de Ucanca dann durchquert,
kann man die Roques de Garcia bestaunen und gleich einen
ersten Blick auf den Teide werfen. Der Pico del Teide ist mit
3718m der höchste Berg ganz Spaniens. Eine Seilbahn
führt bis ungefähr 150m unter den Gipfel, den Rest des Weges
zum Krater kann man zu Fuß zurücklegen (mit spezieller
Genehmigung).
Da an der Talstation bereits viele Touristen in der Hitze des Mittags an der Kasse Schlange
standen, wollte ich an einem anderen Tag zum Betriebsbeginn als einer der ersten hochfahren.
So war ich an einem anderen Tag schon sehr früh unterwegs und konnte den Sonnenaufgang
in den Bergen genießen, bevor ich kurz nach 09:00 Uhr mit der ersten Gondel zum Gipfel fuhr.
Oben fegte ein heftiger Sturm, der mir nicht nur die ohnehin dünne Luft nahm, sondern mich
auch fast umgeweht hätte. Die lange Hose, eine Jacke und eine Kappe leisteten hier gute
Dienste. Die Landschaft ist hier unbeschreiblich wild, wüst und urtümlich. Man fühlt sich
plötzlich winzig und unbedeutend, beeindruckt angesichts der Kräfte und Gewalt, welche diese
Felsen hier geformt haben.
Es scheint, als ob die Lavaschollen immer noch glühend heiß wären und nicht schon seit un-
gefähr 170.000 Jahren hier so lägen, wie sie damals erkalteten. Der Teide selbst entstand nicht
aus einem Guss, sondern ist ein Schichtvulkan, der sich in vielen Eruptionen nach und nach
gebildet hatte.
Neben dem Pico del Teide gibt es im Umkreis mehrere kleinere Krater. Der Chinyero, 10km
weiter nordwestlich brach 1909 das letzte Mal aus. Innerhalb der Caldera ereignete sich der
letzte Ausbruch im Jahre 1798 an den Narices del Teide, die an der Flanke des westlichen
Nachbarvulkans Pico Viejo (3.134 m) liegen.
Etwas weiter nordöstlich findet man sich plötzlich in einer weiten, außerirdisch anmutenden
Sandwüste mit einzelnen Felsen wieder (Mirador de San José).
Bei dem Ort Portillo de las Cañadas kann man dann entweder den Bergkamm entlang bis San
Christobal de la Laguna und Santa Cruz fahren, oder nordwärts nach La Orotava und Puerto
de la Cruz. Auf dem Weg nach Norden findet man direkt neben der Straße die Piedra de la
Rosa, eine ‘Margerite’ aus Stein, welche durch sternförmige Risse in der erkaltenden Lava
entstand.
Schon bei der Abfahrt ins Tal konnte ich von oben auf eine dicke Wolkendecke sehen, durch
welche ich durch musste. In La Orotava war es dann eben nicht mehr so schön sonnig. Die
Stadt wurde 1504 gegründet und hat heute ca. 41.000 Einwohner. Nuestra Señora de la
Concepción ist die Gemeindekirche der Stadt.
In La Orotava stehen noch viele alte Häuser mit sehr schönen Balkonen, welche oft in liebe-
voller Handarbeit hergestellt wurden. Eines der bekanntesten ist das Casa des los Balcones,
das im Jahre 1632 erbaut wurde.
Etwas weiter kommt man zu den schönen Jardines del Marquesado de la Quinta Roja, einer
großen Parkanlage, die im Jahr 1881 angelegt wurde. In dem Park befindet sich ein Mauso-
leum für Diego Ponte del Castillo, dem 8. Marqués de la Quinta Roja, der dort allerdings nie
bestattet wurde, weil er den Freimaurern angehörte.
Im Hintergrund sieht man das Liceo de Taoro, einst eine höhere Schule, heute ein privater
Kulturclub und Casino. Unweit davon ist auch das Rathaus, ein Palast aus dem Jahre 1871.
Puerto de la Cruz ist die sechstgrößte Stadt auf Teneriffa und das touris-
tische Zentrum der Nordküste. Bereits 1502 diente der Ort als kleiner
Hafen, von dem die Versorgungsgüter dann mit Maultieren nach La
Orotava gebracht wurden. 1604 begann man, das Castillo San Felipe zu
bauen. In der Folge ließ sich hier eine reiche und einflussreiche Händler-
Elite nieder, vorwiegend Briten, die Weinhandel nach England betrieben.
Im 17.Jh. erfuhr der Ort einen bedeutenden Aufschwung und die Bevöl-
kerung stieg auf fast 3000 Einwohner. 1808 wurde Puerto de la Cruz eine
eigenständige Stadt. Zu Beginn des 19.Jh. wurden die ersten Ansätze von
Tourismus erkennbar. Die Gäste wurden aber lange in vermieteten Zim-
mern untergebracht, erst zu Ende des 19.Jh. öffneten die ersten Hotels.
Heute hat die Stadt rund 31.000 Einwohner.
In der Stadt gibt es viele historische Wohn- und Geschäftshäuser, aus dem 17. oder 18.Jh.
Beispiele dafür sind das Casa Iriarte, Casa de le Real Aduna oder Casa Miranda. Entlang der
Küste prägen mehr oder weniger moderne Hochhäuser das Bild der Stadt, am kleinen Hafen
gibt es einen Strand, wo man mitten im Zentrum des Städtchens baden kann.
Die Kirche San Francisco war einst Teil eines alten Franziskanerklosters, das im 19.Jh. auf-
gelöst wurde und 1967 abgebrannt ist. Die heutige vordere Seitenkapelle San Juan Bautista
wurde um das Jahr 1600 gebaut und ist eines der ältesten Bauwerke in Puerto de la Cruz. Der
eher niedrige Turm der Kirche hat übrigens einen dreieckigen Grundriss.
An der Westküste der Insel Teneriffa findet sich eine beeindruckende Steilküste, die Acantilado
de Los Gigantes (Steilfels der Riesen). Die Felsen fallen an dieser Stelle bis zu 450m senk-
recht ins Meer ab.
Die beste Möglichkeit die Klippen zu bestaunen, ist eine Bootsfahrt ins Meer hinaus. Es gibt
vorort einige kleine Veranstalter, welche solche Bootstouren anbieten. Diese sind üblicher-
weise mit einer Fahrt ins offene Meer verbunden, zu Plätzen, wo man Delfine und Wale beob-
achten kann. Ich konnte hier eine kleine Gruppe Pilotwale beobachten. Es waren junge Tiere,
ca. 3 bis 4m groß. Die Delfine ließen sich an diesem Tag jedoch nicht blicken.
Auf der Rückfahrt zum Hafen fuhren wir dann sehr nahe an die Klippen und hatten viel Zeit,
diese ausgiebig zu bestaunen. Der Bootsführer erklärte, dass man hier auf das Innere eines
Vulkans blicke. Die vordere Hälfte sei abgebrochen und ins Meer gestürzt, welches zwischen
Teneriffa und La Gomera stellenweise bis zu 2400m tief ist. Deutlich kann man den senkrechten
Lavaschlot erkennen - eher eine Spalte - auch weitere Spalten, durch welche Magma an die
Oberfläche gepresst wurde, sind zu sehen. Die verschiedenen Färbungen der Gesteinsschich-
ten und unterschiedliche Verwitterung formten diese spektakulären Klippen.
Santa Cruz ist Hauptstadt von Teneriffa und auch der gleichnamigen Provinz. Die Stadt wurde
im Jahre 1494 durch den Spanier Alonso Fernández de Lugo gegründet, der an dieser Stelle
ein Holzkreuz und dann die befestigte Anlage Añazo errichten ließ. Er wurde allerdings von den
Guanchen besiegt und musste fliehen. Die Insel wurde dann ein Jahr später von Fernández de
Lugo endgültig erobert.
Im Jahr 1723 verlegte der Capitan General der Region Canarias seinen Amtssitz von
La Laguna nach Santa Cruz. Als die Stadt als einzige der Kanaren das Privileg des
Amerika-Handels erhielt, blühte die Stadt zum Ende des 18.Jh. richtig auf.
Die Briten, die den Hafen für strategisch wichtig hielten, unternahmen 4 erfolglose
Versuche, Santa Cruz einzunehmen. Auch Admiral Nelson nahm an einem der
Feldzüge teil.
Heute zählt die Stadt ca. 222.000 Einwohner und wird maßgeblich durch den Hafen
geprägt, der zu den größten des Atlantiks gehört.
Seit 1982 ist Santa Cruz neben Las Palmas de Gran Canaria die Hauptstadt der autonomen
Gemeinschaft Kanarische Inseln. Beide Regierungssitze wechseln sich alle vier Jahre ab. Das
Parlament der Comunidad Autónoma de las Canarias hat seinen ständigen Sitz in Santa Cruz
de Tenerife.
Den Turm der Kirche Iglesia de Nuestra Señora de la Concepción kann man als Wahrzeichen
der Hauptstadt bezeichnen. Die 1653 auf den Ruinen einer 1502 ausgebrannten Kapelle er-
richtete Kirche war Beobachtungspunkt zur Warnung vor feindlichen Schiffen und Piratenüber-
griffen.
Die bestbesuchte Einkaufsmeile der Hauptstadt ist die Calle Castillo. Sie führt von der Plaza
Weyler bergab bis zur am Hafen gelegenen Plaza de España und bietet mitsamt ihren Neben-
straßen neben vielen international bekannten Ladenketten auch einheimische Geschäfte und
Cafés.
Der Plaza de España ist von Gebäuden aus der Franco-Ära geprägt und verbindet den Hafen
mit der Altstadt. Blickfang ist ein großer, flacher Teich mit einer 30m hohen Wasserfontäne. Der
Brunnen war allerdings gerade wegen Reinigungsarbeiten außer Betrieb.
Neben vielen prachtvollen Häusern ist auch der Lebensmittelmarkt Mercado de Nuestra
Señora de Africa sehr sehenswert.
Brunnen und Grünflächen lockern das Stadtbild auf. Der Parque Maritimo ist ein großartiger
Meerespark und Badelandschaft, die in das Castillo de San Juan eingebunden wurde.
An den Park grenzt im Süden das hügelige Gelände des Palmetum. Dieser botanische Garten
wurde auf einer stillgelegten Mülldeponie errichtet und zeigt bisher auf einer Fläche von unge-
fähr 120.000m² ungefähr 300 Arten von Palmen.
Das Auditorio de Tenerife ist eine Kongress- und Konzerthalle und wurde von 1989 bis 2003
errichtet. Es ist die Heimat des Orquesta Sinfónica de Tenerife, eines der besten spanischen
Sinfonieorchester. Das 'fliegende Dach' kann man als Welle aus Beton oder Palmenblatt sehen,
als Fischmaul oder als Segelschiff.
Von La Laguna verläuft die Straße in den Nordosten auf dem Hügelkamm durch herrliche
Lorbeerwälder. Mit jeder Kurve bietet sich ein neuer, faszinierender Ausblick. Einmal sieht man
weit in den Süden bis ans Meer, dann wiederum nach Norden. Über den Grat pfeift ein sehr
kräftiger Wind, der die Wolken vom Norden wie ein Dampfgebläse in den Süden drückt, wo sie
sich auflösen.
Von dem Aussichtspunkt Mirador de Jardina hat man einen wunderbaren Ausblick auf die
weite Hochebene von La Laguna, und kann hinter dem Flughafen Teneriffa Nord auch den
gegenüber liegenden Bergrücken des Cumbre Dorsal sehen. Im Süden erblickt man hinter ein
paar Hügeln das strahlend blaue Meer.
Während der Bauarbeiten für die Straße TF-24 legten die Arbeiter eine Reihe vulkanischer
Schichten frei, welche heute La Tarta (die Torte) genannt werden. Jede dieser Schichten ent-
stand bei einem anderen Ausbruch von Vulkanen. Die weiße Schicht ist Bimsstein, der vom
Wind hierher getragen wurde. Schwarz ist Basalt, rötliche Schichten entstanden bei Oxidation
des Basalts durch das Grundwasser.
San Christobal de La Laguna ist eine Universitätsstadt und Bischofssitz mit
rund 151.000 Einwohnern und liegt etwa 550m über dem Meer auf einer Hochebene
im Nordosten von Teneriffa.
Nach der endgültigen Kapitulation der Guanchen führte Fernandez de Lugo seine
Truppen zurück nach Aguere - jene Ebene, auf der die erste entscheidende Schlacht
stattgefunden hatte - wo er eine Siedlung gründen wollte. Hier gab es eine größere
ebene Fläche, der Boden war zum Anbau von Getreide gut geeignet und durch
einen Bach, der durch einen kleinen See (die 'Laguna') floss, bewässert. Außerdem
bot die angemessene Entfernung zur Küste guten Schutz vor Piraten.
Die ersten Gebäude wurden noch völlig chaotisch und willkürlich platziert. Erst als
ein Beschluss der Stadtverwaltung das Bauen in der Oberstadt verbot und in der
Unterstadt Straßen angelegt und eine Wasserleitung bereitgestellt war, kam hier
eine Stadt in der geordneten Geometrie der damaligen Zeit zustande.
Die Kirchen, Klöster, Paläste und alten Herrenhäuser führen den Besucher in die Kolonialzeit
zurück. La Laguna war von 1510 bis 1723 die Hauptstadt Teneriffas. Die Iglesia Cathedral oder
Iglesia Santa María de los Remedios ist die ehemalige Gemeindekirche der Stadt.
Um 1515 war sie noch eher bescheiden klein mit etwa 80 mal 48 Fuß (1 ft=0,3048 m). Bei
späteren Umbauten entstand dann bis Ende des 18.Jh eine fünfschiffige Kirche mit einem
Glockenturm. Zu Beginn des 19.Jh. musste der Turm wegen Einsturzgefahr erneuert werden,
dabei wurde auch die komplette Fassade neu gestaltet. Um diese Zeit wurde sie auch zur
Kathedrale erklärt. Eingriffe in die Grundstruktur des Baus führten aber zu Problemen mit der
Stabilität, sodass die Kirche zur Ruine erklärt wurde. In den Jahren 1904-1915 wurde eine
dreischiffige Anlage neu gebaut. Während meines Besuches war die Kirche übrigens wegen
Renovierungsarbeiten geschlossen...
In der Zwischenzeit dient die Iglesia de la Inmaculada Concepción de la Virgen María, die
älteste Kirche der Stadt, als 'Notkathedrale'.
Der Palacio Salazar ist ein schönes Beispiel für die kanarische Barock-Architektur. 1687 er-
richtet, wurde er 1892 zum Sitz des Bischofs. Die Fassade ist vollständig aus Stein. Bei einem
Brand 2006 wurde das Gebäude schwer beschädigt und bis 2009 wieder nach Originalplänen
restauriert.
Lang erforscht und trotzdem immer noch rätselhaft sind die Pyramiden von Güímar an der
Ostküste. Es handelt sich dabei um sechs, terrassenförmig angelegte Bauten aus Lavasteinen,
deren Zweck bis heute nicht geklärt ist. Die Datierung ins 19.Jh. ist zweifelsfrei gesichert, auch
der Zusammenhang zwischen der Ausrichtung und den Sonnenwenden im Winter und
Sommer.
Die Steine sind ohne Mörtel geschichtet und an den Aussenseiten sogar eben behauen wor-
den. Der Forscher Thor Heyerdahl sah Parallelen zu den Pyramiden in Ägypten und Mittelame-
rika und betrieb vorort ca. sieben Jahre lang Ausgrabungen.
Die Pyramiden sind rechteckig und langgestreckt, ebene, mit Sand gefüllte Flächen deuten auf
eine zeremonielle Verwendung hin. Bei den Ausgrabungen wurde auch eine Lavahöhle ent-
deckt, die jedoch in die Zeit um 600-1000 n.Chr. datiert wurde und mit den Pyramiden nichts zu
tun hat.
Von Santiago del Teide fuhr ich auf einer ziemlich schmalen, abenteuerlichen, aber wildroman-
tischen Straße zu dem kleinen Dorf Masca, das inmitten eines Vulkankraters liegt und von bis
zu über 1000m hohen Bergen umgeben ist. 2003 lebten hier noch etwa 100 Einwohner. Heute
werden es wohl wieder ein paar weniger sein, denn die Landflucht und Überalterung der Be-
völkerung führt zum langsamen Niedergang des Dorfes.
Der Ort verteilt sich auf mehrere schmale Berghänge und ist ein beliebtes Touristenziel. Auf oft
nur handtuchbreiten Terrassen wurden Mandeln, Zwiebeln, Kartoffeln und Knoblauch ange-
baut, die als die besten der ganzen Insel gepriesen wurden. Auch die Yame-Frucht, Palmsaft,
Zitrusfrüchte und Käse aus Ziegenmilch sind Spezialiltäten aus Masca.
Weiter nach Nordosten und Norden kommt man an dem Aussichtspunkt Mirador de Baracán
vorbei und nach vielen Kurven in die Stadt Buenavista del Norte. Der historische Ortskern mit
Plaza und Pavillon ist sehr schön renoviert - die Kirche musste 2002 nach einem Brand neu
gebaut werden.
Die etwa gleich große Stadt Garachico hat auch um die 5000 Einwohner. Sie
wurde 1496 gegründet und entwickelte sich zum wichtigsten Hafen der Insel.
1645 von einer Sturmflut schwer getroffen, von Unruhen gebeutelt und
schließlich 1706 von einem Ausbruch des Montaña del Estrecho fast ganz
zerstört, verlor die Stadt an Bedeutung, weil sich der Handel nach Santa Cruz
verlagerte.
Garachico feiert jeden Sommer das große Fest zu Ehren San Roque ihrem Schutzpatron. Alle
fünf Jahre kommt noch ein Fest dazu, das an den Vulkanausbruch von 1706 erinnern soll, mit
Feuerwerk und brennenden Rädern, die nachts den Berg hinab gerollt werden. Deswegen war
die Stadt so schön geschmückt und die Kirche Glorieta de San Francisco mit den bunten
Bändern verziert.
Als ich am 7. August 2010 die Stadt besuchte, liefen gerade die Vorbereitungen für den großen
'Baile de Magos'. Zu diesem schönsten Trachtentanzfest der Insel haben Besucher nur Zutritt
in kanarischer Tracht. Da das Fest erst um 23:00 Uhr losgehen sollte, verzichtete ich auf den
Kauf einer Tracht und machte mich stattdessen auf die Suche nach dem tausendjährigen Dra-
chenbaum in Icod de los Vinos. So bummelte ich noch eine Weile durch das Städtchen.
Die Iglesia de Santa Ana wird im Westen des Hauptplatzes von mächtigen Bäumen fast ver-
deckt. Sie brannte bei dem Ausbruch des Vulkans bis auf das Portal ab und musste wieder
aufgebaut werden.
Bei einem Spaziergang durch die engen Gassen kann man viele historische Gebäude und
schöne Plätze sehen. Von der Calle Montes de Oca y García kommt man zum schönsten
Platz der Stadt, zur Plaza Juan González de la Torre, mit gut renovierten alten Häusern. Auch
das Puerta de Tierra, das alte Tor zum Hafen kann man heute noch bewundern.
Das im Jahr 1571 errichtete Castillo de San Miguel blieb 1706 beim Ausbruch des Volcan
Garachico von den Lavamassen verschont. Für einen Euro Eintritt kann man sich in dem
Museum über die Geschichte des Ortes informieren und vom Söller aus hat man einen
schönen Blick über die Küste.
Gleich darunter haben die Lavamassen die natürlichen Schwimmbecken von El Caletón
geformt, die mit Treppchen und Pfaden zugänglich gemacht wurden und auch bei stärkerem
Seegang genutzt werden können. Das Wahrzeichen des Dorfes ist ein Felsen, der unmittelbar
vor dem Ort im Wasser liegt. Gara chico bedeutet 'Kleine Insel' und kommt von dem Guan-
chenwort 'Igara' für Insel und dem spanischen 'chico' (klein).
Unweit von Garachico auf ca. 240m Höhe liegt das 24.000 Einwohner zählende Icod de los
Vinos. In der Parkanlage rund um die Iglesia de San Marco steht auch ein alter, wild wurzeln-
der Gummibaum. Die Kirche stammt aus dem 15./16.Jh. und hat ein schönes Renaissance-
Portal.
Wahrzeichen der Stadt ist aber der berühmte 'Drago Milenario', ein angeblich dreitausend
Jahre alter Drachenbaum. Da dieses Spargelgewächs keine Jahresringe hat, ist die Bestim-
mung des Alters sehr schwierig. Von den Verzweigungen und den Abständen der Blühperi-
oden kann man aber auf ein realistisches Alter von ca. 400 Jahren schließen.
Sehenswert ist auch die Altstadt mit ihren steilen Gassen und schönen Herrenhäusern und
das Rathaus (Ayuntamiento). Wie aus dem Namen der Stadt bereits hervorgeht, ist Icod de los
Vinos auch für seine guten Weine bekannt. In vielen Läden kann man sich durch die angebot-
enen Sorten kosten, um die richtige Wahl zu treffen. Da ich mit dem Auto unterwegs war, ver-
zichtete ich lieber darauf.
Oberhalb des Ortes kann man die Cueva del Viento besuchen. Die Lavahöhle ist mit 17km die
längste Europas und entstand vor rund 27.000 Jahren als der Pico Viejo ausbrach. Die Besu-
cher können ca. 250m davon besichtigen.
Beliebtes Ziel für Besucher ist der Loro Parque nahe
Puerto de la Cruz im Norden der Insel. Ursprünglich als
Park für Papageien angelegt, sieht man hier auch Aqua-
rien und einen Unterwasser-Tunnel, Delfin-, Orca-und
Seelöwen-Show, wo die Tiere Kunststückchen vorführen
müssen. Bekannt wurde der Loro Parque vor allem durch
die weltgrößte Papageienkollektion. Von den weltweit
etwa 800 Arten und Unterarten finden sich hier etwa 350
davon. Einige der Papageien kann man zudem in der 'Loro
Show' bewundern.
Mittlerweile findet man hier auch Gorillas, Schimpansen und andere Primaten, einen weißen
Tiger, Leguane und andere Echsen, sowie ein schönes Gewächshaus mit vielen Orchideen und
anderen Pflanzen.
Bei der 'action-reichen' Delfinshow muss man entweder schnell sein, um gute Fotos zu schies-
sen, oder besser mit einer Videokamera arbeiten. Die klugen und verspielten Tiere zeigen mit
ihren Trainern viele Kunststücke. Sie springen durch an einem Seil aufgehängte Ringe, ziehen
ein Boot durch das Becken, katapultieren ihre Trainer hoch in die Luft oder tanzen gekonnt auf
ihrer Schwanzflosse über das Wasser.
Bei der Orca-Show gibt es eine 'Splash-Zone' in der man sich mit den dort erhältlichen Regen-
pochos vor den Wassermassen schützen kann, wenn die Tiere nach einem Sprung wieder im
Wasser landen oder absichtlich mit ihrer Schwanzflosse schlagen. Trotzdem das alles so lieb
und harmlos aussieht, darf man nicht vergessen, dass es ein gefährliches Spiel mit mächtigen
Tieren bleibt.
Neu angelegt ist ein kurzer Steg in den Baumkronen, wo man herrliche Vögel aus der Nähe
bewundern kann.
An den unzähligen Arten von Orchideen im Gewächshaus konnte ich mich gar nicht satt sehen.
Schätzungen reichen von 15.000 bis 35.000 Arten. Keine Pflanzenfamilie hat ein solch vielfäl-
tiges Spektrum an Formen und Farben der Blüten, wie die Familie der Orchideen. Das Farb-
spektrum reicht dabei von zartem Weiß über Grün- und Blautöne bis zu kräftigen Rot- und
Gelbtönen. Viele der Orchideenblüten sind auch mehrfarbig.
Neben den riesigen Aquarien mit unzähligen Fischen und anderen Meerestieren kann man
nun auch in einem 'Hai-Tunnel' die Welt ‘unter Wasser’ bestaunen. Der Tunnel ist rund 18m
lang, fotografieren mit Blitz ist hier leider verboten, so gelingen nur selten gute Aufnahmen.
La Gomera
Im Hotel konnte ich einen Tagesausflug zu der Insel La Gomera buchen. Mit dem Bus ging es
vom Hotel zum Hafen, dann mit der Fähre nach San Sebastián de la Gomera. Von da aus
machten wir mit einem anderen Bus eine tolle Rundfahrt im Norden der Insel.
Aus dem sonnigen Süden ging es durch einen Tunnel in den bewölkten, aber
viel grüneren Norden. Auf der ganzen Insel leben etwa 22.700 Einwohner, die
meisten wandern ab, um auf den anderen Inseln Arbeit in der Hotellerie zu
finden. Im Herzen der Insel liegt der Nationalpark Garajonay mit Wäldern aus
Baumheide (’Erika’) und Lorbeer. Dieser Urwald 'Laurisilva' regeneriert sich
seit Millionen von Jahren selbst.
Wir fuhren über Hermigua und Agulo nach Las Rosas, wo wir in einem kleinen Gasthof Mittag
machten. Danach ging es über eine abenteuerlich schmale und kurvenreiche Straße nach
Laguna Grande inmitten des Nationalparks, wo wir die Baumheide und die Lorbeer-Bäume
ausgiebig bewundern konnten. Abschließendes Highlight war der mächtige Roque de Agando,
ein ehemaliger Vulkanschlot.
San Sebastián de la Gomera ist die Hauptstadt der Insel mit ca. 9000 Einwohnern. Im Jahre
1440 besetzte Hernán Peraza den Ort an dem sich heute die Stadt befindet. Zu sehen gibt es
hier die Kirchen Ermita de San Sebastián, und Iglesia de La Asunción, sowie den 15m hohen
Wehrturm Torre del Conde (Turm des Grafen). Uns blieb dafür leider keine Zeit, denn wir
mussten noch die letzte Fähre nach Hause erwischen.
Der kleine Hafen von San Sebastián ist Anlegestelle der großen Fähren, welche die
kanarischen Inseln miteinander verbinden. Der Benchijigua-Express von Fred. Olsen wartete
bereits und brachte uns wieder zurück nach Los Christianos auf Teneriffa.