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© Manfred Bittner 2012
Thailand
Bilder zum Vergrößern bitte anklicken
Im Januar 2006 wurde ich zu einer Produkteinführung nach Malaysien (Kota Kinabalu) eingeladen.
Danach verbrachte ich noch drei Tage in Bangkok um auch hier diese Schulung durchzuführen. Da
mein Rückflug am Samstag erst gegen Mitternacht startete, hatte ich noch Zeit, um mir von unseren
Kollegen die wichtigsten Sehenswürdigkeiten dieser Stadt zeigen zu lassen.
Bangkok, die Hauptstadt Thailands liegt ca. 30km landeinwärts vom Golf von
Siam am Chao Phaya Fluss. Ca. 6 Millionen Menschen leben in hier auf rund
1500 km². Neben den gut erhaltenen Tempelanlagen, die in der ganzen Stadt
überall zu finden sind, sieht man auch hier Hochhäuser und Wohnblocks, wie
in jeder Großstadt.
Dem Besucher fallen auch sofort die dreirädrigen Taxis auf, welche nach dem
typischen Geräusch des Motors "Tuk Tuk" genannt werden. Auch ich bin
natürlich mit einem solchen Gefährt unterwegs gewesen. Die Zweitaktmotoren
stinken gewaltig und machen jede Menge Lärm.
Gleich daneben, vom Dunst der Tuk Tuks eingenebelt, gibt es leckere Sachen zu kaufen - der
Reiseführer rät allerdings diese Speisen mit Vorsicht zu genießen.
Auch abends und nachts bietet Bangkok einen sehr schönen Anblick. Die Tempelanlagen sind
beleuchtet und für die Fotografen ein beliebtes Motiv. Die Beleuchtung wurde dann allerdings um
22:00 Uhr abgeschaltet, ich konnte nur noch das Demokratie Denkmal fotografieren.
Dann war ich eines Abends zum Essen eingeladen. Das Restaurant befand sich vor dem Puppen-
Theater und die Schauspieler trieben ihre Scherze mit den Besuchern. Das Essen ist oft ziemlich
pikant und fremdartig gewürzt, teilweise sogar säuerlich-bitter im Geschmack. Ich konnte mich
nicht wirklich dafür begeistern.
Der Höhepunkt meines Besuches war sicher der Besuch des "Grand Palace". Dieser wurde in den
Jahren 1782 - 1785 nach der Thronbesteigung des Königs Rama I. errichtet und beherbergt den
königlichen Palast, die Thronhallen, einige Regierungsgebäude und den berühmten Tempel des
Smaragdbuddhas.
An den Toren zu den Gebäuden im Tempelbezirk findet man oft Wächterfiguren in
Gestalt von Fabelwesen. Nach dem thailändischen Weltbild ist die von Menschen
bewohnte Welt und das Paradies durch einen Wald getrennt, in welchem diese
Wesen leben.
Diese Dämonen sind auch oft Mischungen aus verschiedenen Lebewesen, z.B.
Löwe und Vogel. Sehr reich mit Gold und Edelsteinen verziert bewachen sie mit
grimmigem Gesicht die Eingänge. Hier eines der Tore zur Bibliothek. Diese ist für
Besucher nicht zugänglich.
Der Tempelbezirk ist vom Rest des Grand Palace durch eine Mauer mit einem Wandelgang
getrennt. Darin befinden sich kilometerlange, sehr schöne und detaillierte Wandmalereien, welche
Szenen aus dem Ramakien während der Regentschaft Rama I. darstellen. Auch hier an den
Eingängen sieht man die Dämonen als Wächter.
Der Dämon im Vordergrund dieses Bildes ist eine Mischung aus Frau und Löwe. Im
Hintergrund erkennt man die Spitze eines "Prangs" - Diese beeindruckenden Tem-
peltürme versinnbildlichen die wichtigsten Elemente des Buddhismus: Buddha,
Dhamma (der buddhistischen Lehre), Sangha (der Gemeinschaft der Mönche),
Bhikkhunis (den buddhistischen Nonnen), Pacceka Buddha (Buddhas, die zwar die
Erleuchtung erlangten, die aber nicht das Dhamma predigten), Chakravartins
(universelle Weltenherrscher, die nach buddhistischem Regeln herrschen),
Bodhisattva, und dem Maitreya Buddha (Thai: Metteya, dem zukünftigen Buddha).
Zur 100-Jahr-Feier im Jahre 1882 wurden diese herrlichen Karyatiden ergänzt (siehe Foto). Diese
haben zwar das Aussehen von Dämonen, tragen aber eine thailändische Krone. Sie sind Figuren
aus dem Drama Ramakien nachempfunden.
In den Tempel des Smaragdbuddhas darf man nur ohne Schuhe eintreten. Im Inneren sollte man
darauf achten, dem Buddha nie seine Füße oder Fußsohlen zuzuwenden, diese gelten als unrein.
Das heiligste Bildnis Thailands ist 66cm hoch und nicht wie vermutet aus Smaragd, sondern aus
thailändischer grünlich-schimmender Jade (Nephrit). Je nach Jahreszeit wird das Gewand immer
gewechselt.
Laut Chronik soll der "Emerald-Buddha" im Jahre 1434 in der thai-
ländischen Stadt Chiang Rai aufgetaucht sein, nachdem ein Blitz-
schlag einen Chedi zerstört hatte und die Statute freigab. Im Jahre
1468 gelangte sie ins Lanna-Reich, zum König von Chiang Mai. Da
der damalige König Tiloka ohne einen männlichen Erben starb, und
eine seiner Töchter mit dem König von Laos verheiratet war,
gelangte das Bildnis ins Nachbarreich. Das Versprechen, die Statue
den Thai zurückzugeben, wurde nie eingelöst.
1778 unternahm General Chakri (der spätere König Rama I.) im
Auftrag König Taksins eine Strafexpedition nach Laos, eroberte die
Hauptstadt Vientiane und brachte von dort den Smaragdbuddha
nach Hause in die damalige thailändische Hauptstadt Thonburi.
Mit der Gründung von Bangkok als Hauptstadt und dem Bau des Großen Palastes und Königs-
tempels unter Rama I. wurde das Bildnis am 22.03.1784 von Thonburi zu seinem neuen Standort
gebracht. Seit dieser Zeit gilt die Statue als religöses Symbol für Thailand und der Tempel des
Smaragdbuddhas wurde zum nationalen Schutzheiligtum. Der Buddha darf nicht fotografiert
werden, was für Thailand eher unüblich ist.
Das Chakri Maha Prasat wurde 1882 zum 100-jährigen Bestehen Bangkoks erbaut. Heute wird nur
noch der Empfangsbereich für offizielle Anlässe genutzt. Neben dem Chakri Maha Prasat Palast
findet man den Dusit Maha Prasat, der aus der Thronhalle und dem Amphorn Phimok-Pavillon
besteht. Eine Reproduktion dieses Pavillons wurde 1958 auf der Weltausstellung in Brüssel
gezeigt.
Der Dusit Maha Prasat wurde von König Rama I. erbaut um die alte abgebrannte Halle zu ersetzen.
Er beabsichtigte dieses Gebäude zur Aufbewahrung seiner sterblichen Überreste zu verwenden.
Das Gebäude dient seitdem zur Aufbahrung verstorbener Könige und Königinnen, sowie hoch-
stehender Mitglieder der königlichen Familie.
Die Halle ist mit einem Perlmutt-Thron augestattet, der von einem neunstufigen weißen Schirm
überdacht wird. Mich haben auch hier die vielen reichen Verzierungen fasziniert die mit großer
Liebe zum Detail gestaltet sind.
Unweit vom Grand Palace liegt das Kloster Wat Pho. Hier fielen mir zuerst die beiden seltsamen
Wächter-Statuen auf, die einen Zylinderhut tragen. Die Geschichte des Tempels lässt sich nicht
genau nachvollziehen. Angeblich soll er aber 1688-1703 schon erweitert worden sein.
Die Hauptattraktion von Wat Pho ist die 45m lange und 15m hohe Statue des
‘liegenden Buddha’, dem in spiritueller Hinsicht jedoch nicht soviel Bedeutung
zukommt wie dem Emerald Buddha im angrenzenden Grand Palace.
Die Figur liegt auf der rechten Seite, nach buddhistischer Lehre die richtige
Haltung zum Sterben und stellt den Moment dar, in dem Buddha ins Nirwana
hinübergeht. Die gewaltige Größe lässt leider in dem doch recht schmalen
Raum keinen Gesamteindruck zu, das milde Lächeln der vergoldeten Statue
hinterlässt jedoch beim Betrachter einen ähnlichen Eindruck wie die Pieta im
Petersdom. Sie wurde 1987 restauriert, wobei zu diesem Zweck zusätzlich
noch über eine Million Blättchen Blattgold aufgetragen wurden.
Die Fußsohlen dieses liegenden Buddhas sind mit wunderschönen Perlmutt-Einlege-Bildern ver-
ziert, welche die 108 Lakshanas - die heiligen Kennzeichen des Erleuchteten darstellen.
In der Tempelanlage sieht man insgesamt 71 verschiedene Chedi oder Stupas.
Diese meist kuppelförmigen Bauten entwickelten sich aus den altindischen Be-
gräbnishügeln, um Reliquien zu verwahren oder an große Menschen zu erinnern.
In Thailand sind die Chedi die Symbole des Buddhismus. Man kann sagen, dass
ihre Grundstruktur die Kosmologie des Buddhismus symbolisiert.
In Wat Pho wurden von den verschiedenen Königen immer neue Stupas
errichtet. Es gibt die orangefarbene, grüne, gelbe, blaue Chedi und die
fünf Chedi auf einem Sockel, welche ich hier fotografiert habe. An den
unglaublich detailreichen Einlegearbeiten aus bunten Kacheln und
Porzellan konnte ich mich kaum sattsehen.
Sehr detailreich sind auch die feinen Steinreliefs an einem Torbogen
vor dem Eingang in einen Tempel. Die hier gezeigte Gruppe ist vielleicht
gerade mal 15cm hoch.
Der Wat Arun, Tempel der Mogenröte, wurde 1780 erbaut und erhebt sich majestätisch am West-
ufer des Chayo Phraya. Der Chedi ist ein Wahrzeichen der Stadt und im Khmer-Stil erbaut. Um
vom Ostufer dahin zu gelangen, nahmen wir die Fähre. Dazu mussten wir erst durch einen kleinen
Markt und an den aufdringlichen Schleppern vorbei, die uns teure Rundfahrten durch die Klongs
(Kanäle) anbieten wollten.
Der Chedi ist bei näherer Betrachtung ein Mosaik aus bunten Porzellanstückchen. Als beim Bau
das Porzellan ausging, forderte Rama III. seine Untertanen auf, zerbrochenes Porzellan abzulie-
fern, damit die Künstler die Blütenbilder und Fabelwesen vollenden konnten. Den Mittelpunkt vom
Wat Arun bildet Phra Prang, wie der zentrale Prang ehrfurchtsvoll genannt wird.
Vier steile Treppen an den vier Seiten verbinden insgesamt vier Ebenen, auf denen der Phra Prang
umrundet werden kann. Die Aufgänge zu der dritten Ebene waren jedoch bereits für Besucher ge-
sperrt. Doch auch von der zweiten Ebene hatte ich einen sehr eindrucksvollen Blick über den
Fluss und die Stadt.
Die zweite Ebene wird von Dämonen (Yakshas) als Karyatiden getragen. Hier befinden sich an den
vier Seiten vier portalartige Mondop, in denen wichtige Stationen im Leben des Buddha abgebildet
sind, wie z.B. seine Geburt und die Erleuchtung.
Unser nächstes Ziel war der ‘Golden Mount’. Am Fuße des ca. 80m hohen "Berges" in auf dem der
Chedi steht, befindet sich ein kleineres Kloster, dessen rotgoldene Dachverzierungen in der
Abendsonne ein schönes Fotomotiv boten. Der Ursprung des Tempels und der Klosteranlage
geht bis in die Zeit Rama I. (18.Jh.) zurück. Westlich vom Wat Sakhet führen 318 Stufen an den
Seiten des Hügels zum Golden Mount empor.
Der Golden Mount ist eine der überragenden Sehenswürdigkeiten Bangkoks. Auf
einem 81m hohen, künstlich aufgeschütteten Berg erhebt sich seit 1865 der mit
unzähligen vergoldeten Mosaiksteinchen beklebte Chedi des Wat Srakes
Rajavaramahavihara. Im Inneren befindet sich eine Reliquie des ersten Buddha
Siddhartha Gautama.
Von der äußeren Plattform kann man die großartige Aussicht über die Innenstadt Bangkoks
genießen. Der Abend senkte sich langsam über die Stadt und ich hoffte, den Sonnenuntergang von
hier aus sehen zu können. Doch leider schloss der Chedi um 17:00 Uhr seine Pforten und wir
wurden höflich hinauskomplimentiert. Noch ein Abschiedsfoto von der äußeren Plattform, ein Blick
gegen Osten über die Stadt Bangkok.
Im Jahre 2009 kam ich wieder beruflich in die Stadt. Am Sonntag nach meiner Ankunft machte ich
mich auf eigene Faust mit einem Taxi auf den Weg und ließ mich zum Marmortempel bringen. Der
‘Wat Benchamabophit Dusitwanaram Ratchaworawihan’ ist ein buddhistischer Tempel und gehört
zu den schönsten Sehenswürdigkeiten der Stadt.
Er wurde auf dem Gelände eines alten Tempels errichtet, der vermutlich noch aus der
Zeit des Königreiches von Ayutthaya stammte. Während der Regierungszeit von
Rama III. um 1827 wurde er ausgebaut und fünf Chedis vor dem Tempel errichtet.
Unter Rama IV. erhielt er dann den Namen ‘Wat Benchabophit, ‘Tempel der fünf
Prinzen’.
1898 ließ Rama V. den neuen königlichen Palast Phra Ratchawang Dusit
zu errichten. Zum Ausgleich für den Abriss von zwei alten, verwaisten
Tempeln auf dem Gelände veranlasste er, dass der am südlichen Rand
des Palastgartens gelegene Wat Benchabophit neu aufgebaut und ver-
größert werden sollte. Am 6. Dezember 1900 bezogen 33 Mönche den
neuen Tempel. Der Kanal mit drei Brücken wurde 1900 ausgehoben und
trennt den heiligen Bereich vom Wohnbereich.